Freitag, 22. Oktober 2010

An Autumn Crocus

Mit gierigen Augen richtete der Mensch seinen Blick auf den nächsten Stoß Akten. Darin stecken lauter kleine Sünderschicksale über die es zu richten galt. Man muss es sie wissen lassen, ihre Schlechtheit. Ihre Primitivität. Ihr seelischer Gestank stieg auf und erfüllte den Raum. Schnell eine Kerze angezündet. Der Allmächtige wachte über den ziemlichmächtigen Richter. Ein kurzes Gebet, damit seine Seele nicht erschaudert. Da ruhte er wieder. In sich und in Gott. Er atmete schwer. Leise zog er die Luft an.

Er musste aufstehen. Hin zum Altar. Das Wachs der Kerzen war noch nicht ganz getrocknet. Immer wieder waren ihm am heutigen Tage Schauerwellen durch die Glieder gefahren. Diese Würmer mit menschlicher Existenz wurden unerträglicher. Von Tag zu Tag. Das wusste er. Er sah es ihnen an. Diese verlotterten, asozialen Schmarotzer empfanden keinerlei Dankbarkeit dafür, dass sie auf der Welt ihr Treiben fortsetzen durften. Solange bis sie ihm gegenüber standen. Dann wurde der irdischen Gerechtigkeit genüge getan. Noch suhlten sie sich in der trügerischen Sicherheit der aufschiebenden Wirkung. Weil sie keine Ahnung hatten, wer als nächstes über sie zu richten berufen war.

Er spürte ihre verbrecherische Energie. Mit jeder Aktenseite bohrten sie sich selbst ein tieferes Loch in ihre Seelen. Immerzu der Verdammnis entgegen. Sie brauchten kein Mitleid. Das hatten sie sich nicht verdient. Allein der Gedanke daran erschien ihm absurd. Jeder sei seines Glückes Schmied, hieß es. Doch nur er fertigte auch die Unglücksseite hinzu. Was bleibt vom irdischen Irren, wenn man nie geirrt hat, hatte ihn eines dieser Geschwüre aus Haut und Knochen gefragt. Zwei jahre scharf und ein beruhigendes Gefühl. Das verblieb zumindest ihm.

Er zündete die Kerzen an. Jetzt musste er seinen Herren fragen. Drüben auf der anderen Seite des Flusses erblickte er das blitzende Licht eines Krankenwagens. Mit wenigen Schritten erreichte er das Fenster und betrachtete das Geschehen darunter. Wie sie in der Dunkelheit vor ihren alltäglichen Sünden zu flüchten suchten. Hinein in die eigenen vier Wände. Verkrochen unter einer Decke aus Dekadenz und Scham lebten sie in ihren Häusern. Ihr verkommenes Dasein teilten sie mit ihnen gleich gesinnten Kreaturen. Familie mochten sie es nennen. Er nannte es einmal die Zellteilungen der Gewöhnlichkeit.

Er war bereit, sich ein weiteres Mal an diesem Tage zu bekennen. Zuflucht zu suchen unter dem ewigen Herrscher. Sein Reich komme, sein Wille geschehe. Hier in diesem Raum wurde dieser fromme Wunsch wahrhaftig. Im Namen der Gerechtigkeit.

Mittwoch, 2. Juni 2010

Against the Odds - Wingman of Love

Am Ende kannst du nur mehr auf die Liebe hoffen, die du einst fühltest, um den Schmerz auszugleichen, den du jetzt in dir trägst.

Es sind Sätze wie dieser, die im Raum stehen bleiben. Wie ein französischer Mittelfeldspieler. Dahin gesagt, nicht wirklich so gemeint. Trotzdem denkt man gerne darüber nach.

Wir schreiben seit langem das Jahr 2010. Im Gegensatz dazu habe ich seit langem nichts mehr geschrieben. Zumindest hier nicht.

Und siehe da, die Welt ist aus den Fugen geraten. Es wird gekriselt auf Teufel komm raus. Der Amerikaner lässt einen isländischen Vulkan erruptieren. Das Wetter ist schlecht. Der Fußball ist nicht mehr das, was er einmal war. Der Westerwelle zeigt sein wahres Gesicht. British Petrol tankt den Golf voll und hat keine Ahnung, wie viel sie dafür verlangen sollen. Kleine Schiffe mit großer Wirkung haben das Meer vor dem Gazastreifen blutrot gefärbt. Und so weiter.

Und was bleibt unter dem Strich? Nichts. Mit einer zielgerichteten Orientierungslosigkeit strebt der Mensch durch Horrorschlagzeilen weiterhin nach einem. Liebe!

Jawohl, meine Landsleute, die Liebe. Was ist sie, woher kommt sie und warum macht sie bei den Helden so selten halt?

Die Konsequenz daraus ist: Ich muss es selbst in die Hand nehmen ! Da braucht jetzt aber sicher niemand blöd zu schmunzeln. Ab heute werde ich mich unregelmäßig der Liebe widmen. Für euch! Wegen euch! Kruzifix, Helden haben auch ein Anrecht auf Liebe.

Ab sofort dreht sich diese Plattform ausschließlich um das Suchen und Finden der Liebe. Verstanden? Keine Dating-Seite, kein anspruchsloses Herumgeseiere, keine Ficki-ficki-Reportagen. Hier wird es um echte Liebe gehen. Von Helden für Helden!

Jeder ist eingeladen, sich zu äußern. Wir brauchen es! Dringend! Hört also auf herumzueiern und die Liebenden zu verhöhnen! Begebt euch auf die Suche! Mit mir als eurem Ratgeber, Leitfaden und Wingman.

Ab heute durchleuchte ich für euch, das Leben auf Liebe. Denn aus der Wahrheit und der Ehrlichkeit entsteht Liebe. Wer hat das gesagt? Ich. Gerade eben.

In diesem Sinne, weg mit der Melancholie und rein (aufhören!) in das pralle (aufhören!) Leben. Ab heute wird zurückgegeben. Beginnen wir mit Geben anstatt dem Vergeben. Tore der Liebe müssen her.

Ich werde euer Tor sein! Am Ende werdet auch ihr den Ball im Tor versenken. Und sei er nur hinein genudelt. Egal, was zählt, ist die Liebe. Also, Gemma, gemma.

Ab heute habt ihr einen Coach! Einen Wingman! Einen Kapitän! Es geht los.


Hut ab.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

November 2009 - Time Will Tell - A Year in Reverse

Liebe Landsleute !

Der vierte November war anscheinend ein historischer Tag. Ich persönlich muss gestehen, dass mir dieser Umstand nicht unbedingt bewusst war. Aber zwischen bewusst und wissen verläuft eben diese messerscharf gezogene Grenze namens Realität.

Deswegen jetzt für alle Realitätsverweigerer. Hier, wo auch sonst, wird nun an das historische Ereignis, welches sich am vierten November dieses Jahres ereignet hat, erinnert. Erstmalig. Ich wiederhole. Erstmalig gelang es am Abend des vierten November ATV mehr Zuschauer vor dem Fernsehgeräten Österreichs zu verdummen als zur gleichen Zeit dem ORF!

Tatsache. Wie so vieles den Tatsachen entspricht. Verweigert man sich jetzt allerdings der Tatsache, dass das halt so ist und nicht anders, dann würde man als normaler Mensch zu einem Schluss kommen: Was bitte schön geht mich das an ?

Nur Helden denken in anderen Kategorien. Sie fühlen anders. Und mein Gefühl sagt mir, ich solle in diesem Zusammenhang bedenken, was mein Geschichtelehrer einst immer zu mir sagte: „ Lernen Sie Geschichte! Endlich.“ Ein großer Mann, aber kein Held.

Um die historische Tragweite der Geschehnisse des vierten November in einen, der Größe dieses Jahresrückblicks, angemessenen Kontext zu bringen, erlaube ich mir, und nur mir, diese Geschichte vom ersten Weihnachtsfest zu erzählen:

Joshua war Hirte. Ein guter Hirte. Dazu war Joshua Ehemann, Vater und Mann. Aber in erster Linie war Joshua Hirte. Nicht unbedingt aus Leidenschaft, nichtsdestotrotz hatte er diesen Beruf erlernt, übte ihn zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten täglich aus und machte so gut wie nie Probleme. Auch ansonsten war er wohl gelitten unter den Bewohnern vom Bethlehemer Hirtendistrikt. Er war gesellig, ab einem gewissen Alkoholspiegel redselig und einigermaßen stur.

Wie meistens in der Winterzeit brach Joshua an jenem Abend, den er zwar schon, aber die Menschheit niemals vergessen sollte, kurz nach dem Abendbrot von zuhause auf um die Nacht bei seiner Herde oberhalb der Stadt zu verbringen. Er hatte seinen Mantel bereits angelegt. Es war ein wenig kalt in Bethlehem um diese Zeit. Persönlich war dies Joshua eher egal. Vielleicht auch ziemlich egal. Hauptsache, er war dick eingepackt und ein wenig Holz für ein Feuer in der Nacht würde sich schon zusammensuchen lassen.

„Endlich wurrlt es nicht mehr so auf den Straßen“, dachte Joshua bei sich. Seine eiligen Schritte hallten auf dem Lehmboden. Bei einem prüfenden Blick in Richtung seiner Lieblingsgaststätten sah er überall Zeichen der Überfüllung. „Zimmer belegt! Ausgebucht!“, stand auf Holztafeln geschrieben. Joshua wusste die Gründe dafür. Die Römer waren wieder einmal der Meinung gewesen, sie alle zählen zu lassen um bei den Steuern herumtricksen zu können. Logischerweise sollten sie nicht geringer werden.

Joshua war klar, dass viele Menschen nach Bethlehem kommen mussten um sich rechtzeitig eintragen zu lassen. In die Steuerlisten. Sogar eine schwangere Frau hatte er gesehen, die zusammen mit ihrem Mann etwas verwirrt herumgewandelt war. Sie hatte ihn sogar angesprochen und irgendetwas von Niederkunft und Unterkunft dahergefaselt. Aber Joshua hatte nicht darauf reagiert. So wie meistens, wenn ihn irgendwelche Fremde anredeten. Und sei es nur um eine kleine Ankunft gegangen. Fremde Menschen konnte Joshua nicht ausstehen. Besonders die Leute aus Samarien, diese Samariter. Da bekam Joshua schon eine Gänsehaut nur beim dran denken.

Wie er so langsam den steilen Weg hinauf zum Weideplatz stieg und dem klaren Sternenhimmel einen kurzen Blick widmete, fiel ihm die schwangere Frau vorm Vortag wieder ein. Nicht einmal verheiratet schien sie gewesen zu sein. „Eh klar, bei diesem Verfall der jüdischen Sitten!“ Da kannte Joshua nichts. Auch wenn er nicht wirklich oft die Synagogen der Stadt zum Gebet aufsuchte, erlaubte er sich dennoch gelegentlich ein moralisches Urteil über seine Mitmenschen. Außerdem hatte sie in einem wirklich grauslichen Nazarether Dialekt gesprochen, dem der Hirte ohnehin nichts abgewinnen konnte. Nein, er war beruhigt, ihr gegenüber grob gewesen zu sein, weil sie es sich verdient hatten. Auch dem Mann, der bei der Frau dabei gestanden war, vergönnte Joshua nichts. Außer alles Schlechte.


Bei seiner Herde angelangt, setzte sich Joshua auf einen Stein, machte sich geschickt und schnell ein wärmendes Feuer, aß seine mitgebrachte Jause und tat was er immer tat. Schauen. Er schaute auf seine Herde. Mehr brauchte er auch nicht zu tun. Die Herde blieb ruhig in jener Nacht.

Nur von den anderen Feldern hörte er gelegentlich laute Schreie und Jubelgesänge. „Jaja, die jungen Burschen in ihrem Rausch“, dachte sich Joshua. „Zwei Karaffen Wein und schon sehen sie überall den Messias. Drecksbagage!“ Irgendwie befand Joshua zwar, dass die Schreie und Gesänge in dieser Nacht anders klangen als an den meisten anderen Nächten, aber was kümmerte es ihn. Seine Schafe blieben ruhig. Die anderen waren ihm zuwider.

So saß Joshua in jener Nacht vor dem Feuer. Ihm war warm. Es ging ihm gut. Und bald brach der Morgen über der Stadt herein. Joshua freute sich auf ein wenig Schlaf in seinem gemütlichen Bett und auf das feine Essen, das daheim auf ihn wartete.

Kurze Zeit später kam auch schon seine Ablösung den Berg herauf. Wieder einmal es kleine Hirtenjunge, der immer seine Trommel mit sich herumschleppte. Idiot wurde er hinter vorgehaltener Hand von Joshua genannt. Ansonsten sprach er ihn mit „Kleiner Trommeljunge“ an.

„Und, wie geht’s, kleiner Trommeljunge?“
„Wahnsinn, gestern war was los! Ich sag es dir. Du kannst dir nicht vorstellen, was passiert ist! Hier in unserer Stadt.“
„Nein, kann ich nicht. Und will ich auch nicht. Ich geh heim.“

Joshua ließ den Burschen einfach stehen. Es war ihm egal. Er wollte nur noch heim. Die Welt blieb die Scheibe, die sie immer sein würde. Dieser Idiot mit seinem Fanatismus ödete Joshua nur an. Hauptsache, zuhause wartete sein Frühstück auf ihn. Das zählte für Joshua.

Auch an jenem Tag.

Frohe Weihnachten! Merry Christmas to everyone!

Hut ab.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Dezember 2009 - We are bank - A Year in Reverse

Liebe Landsleute !

Lasst euch das gesagt sein! Vor allem von mir. Wir sind Bank. Wir alle. Und ich wohl Alkoholiker.

Es geht ja um was ganz anderes, meine lieben Landsleute! Gestern Abend denke ich mir so für mich selbst, ich wäre gerne Uwe.

Das Leben wäre so einfach. Ich der Uwe. Uwe, würden mich die Leute rufen. Und ich würde sie hören und würde zu ihnen sagen: "Schauen Sie amol, dos geht nit, dass Sie mi einfoch Uwe nenan." Aus einem ganz einfachen Grund.

Uwe denkt gerne an früher. So wie es früher gewesen ist, das gefällt dem Uwe. Sehr sogar. Der Opa hat schon von früher erzählt, wie er es den Krainern damals gezeigt hat. Wie er einen nach dem anderen dieser Drecksbagage nieder geschossen hat. Drecksbagage. Das Wort hat dem Uwe immer schon gefallen. So sehr, dass er es heute auch noch häufig verwendet, wenn er da sitzt und seinen Freunden erzählt, was er mit der Drecksbagage aufführen würde, hätte er was zu sagen. Hat er aber nicht.

Das mit dem Aufführen mit der Drecksbagage hat der Uwe mehr von seinem Papa. Den mag der Uwe auch sehr. Oft denkt sich Uwe, dass er gerne in der Zeit vom Papa hätte leben mögen. Damals. Wie die Farben blau und orange noch einheitlich in braun gehalten waren. Voll lässig, dachte der noch junge Uwe, als der Papa immer wieder über die Krummnasaden herzog und meinte der Naduweißtschonwer hätte eigentlich eh recht gehabt, dass er diese Drecksbagage so dings, ehschonwissen, gedingst hat. In die Lager. "Gelt Uwe“, sagte der Papa oft. "Versprich mir lei oans, die Drecksbagage kummt nimma zu ins."

Uwe hat das oft nicht verstanden. Aber die gestrenge Hand des Vaters machte nicht bei der Erziehung halt. Sondern eher im Bereich unter Uwes Hosenbund. Das hat ihm nicht gefallen. Wirklich nicht. Und im Grunde ist das auch nicht lustig und erwähnenswert. Außer es erklärt folgendes.

Weil irgendwann hat ihm das schon gefallen. Das mit der männlichen Hand unterhalb des Hosenbundes. Nur war diese Hand ein wenig zarter. Kein Wunder, wenn der, dem die Hand gehört statt Kernseife Nivea-Feuchtigkeitscreme zum Einfetten hernimmt. Uwe mochte seinen Freund. Sehr. Der wollte immer mit der Drecksbagage in Wien aufräumen. Und nebenbei auch mit der ganzen anderen Drecksbagage. So einen finde ich nie wieder, dachte der Uwe. Und heiratete kurz darauf die Frau, die nicht merkte, dass er seinen Freund mehr liebte als sie.

Doch sein Freund war auch ein wenig mehr als nur der Freund vom Uwe. Nicht nur weil jeder Mensch zwei Hände hat, sondern auch der Tag 24 Stunden und die Woche sieben Tage. Uwe sah seinen Freund meist nur dienstags, wenn seine Frau, also die vom Uwe, Zither spielen bei ihren Freundinnen war. Da kam er dann. Der Freund. Uwe war auch dort.

Bis dass einmal sein Auto nicht mehr in die Richtung fahren wollte, in die es der Freund vom Uwe lenken wollte. Da war es aus mit dem Freund. Und Uwe traurig. Aber nicht der Uwe allein, sondern viele Menschen. Uwe fand das schön. Nicht den Tod des Freundes, seine Hände würden fehlen, aber das so viele Leute traurig waren. Dachte er sich und blieb der Uwe.

Gestern hat der Uwe dann einen neuen Freund bekommen. Den hat er zwar schon gekannt, aber jetzt mag er ihn wirklich. Er erinnert ihn so an seinen alten Freund. Nur ein bisserl mehr blöd. Eigentlich ziemlich blöd, hat sich Uwe am Anfang gedacht. Aber das wird schon. Hauptsache der neue Freund vom Uwe will auch aufräumen, mit der Drecksbagage.

Jetzt sitzt der Uwe da und redet. Mit der Drecksbagage über die Drecksbagage. Herrlich, denkt sich der Uwe, wenn ihn doch sein alter Freund sehen könnte. Er würde ihm sicherlich die Hand reichen. Egal wohin. Aber derweilen sitzt sein neuer Freund daneben.

Und wir in der Scheiße. Eine Flasche Bockbier ausgetrunken. Ich sitze da und will es nicht glauben. Habe ich das als Bankeigentümer wirklich notwendig? Eine Antwort gibt es nicht, weil irgendwie haben wir verlernt, uns aufzulehnen gegen das, was niemals akzeptieren dürften. Nicht einmal zu Weihnachten.

2009. Du gehst so still. Nimm sie mit.


Hut ab.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

2009 - Don't Look Back In Anger - A Year in Reverse

Liebe Landsleute!

Es kommt wie das Amen im Gebet. Sagt man. Eigentlich könnte man, quasi wir, sagen, dass man weiß, dass es kommt. Im Grunde ist es auch noch unsäglich, dieses Wissen.

Hier bin ich nun also wieder. Rechtzeitig zum Weihnachtsfest komme ich auf euch hernieder in Form dieses Wort gewordenen Monstrums namens Blog. Jetzt wäre natürlich ein Vergleich mit der Weihnachtsgeschichte vom Jesukindlein ein wenig überheblich. Aber ich stelle mich der Herausforderung!

Tauet Himmel dem Gerechten ! Jawohl. Und bei einem Blick aus dem Fenster sehe ich für euch den Himmel tauen. Andere würden sagen: Es regnet. Aber auch dieses Jahr will das kleine Jesus Baby nicht in eure Köpfe, sondern in eure Herzen. Deshalb taut der Himmel. Schluss, aus.

Wo war ich stehen geblieben? Nirgends. Denn Helden streben nach vorne! Nicht wahr? Nicht wahr. Ja, das letzte halbe Jahr hat die Wahrheit, die Ehrlichkeit und alles was sonst meinem Gutdünken unterliegt, pausiert. Den Gerechtigkeitsnerv eingezwickt, quasi. Doch glaubt ja nicht, dass 2009 einfach unbeobachtet durch das Land gezogen ist. Oh nein, keine Chance! 2009, du wirst deiner gerechten, wahrhaftigen Beurteilung durch mein Herz nicht entrinnen.

Ich habe ein Herz. Speziell in der Vorweihnachtszeit, dem Advent, ist es besonders groß. Noch dazu, weil es gewisse Aufgaben meiner Leber auch noch zu erledigen hat. Stichwort: Reiner Alkohol - Kinderpunsch!

Nur wird an dieser Stelle nicht mit Milde gekleckert, wie mit der Senfsauce einer Weihnachtsmarkt-Bosna. Nein, hier wird geklotzt!

Langer Rede, größere Sinn. Ich werde die Zeit der Einkehr und Besinnung dazu verwenden, das heurige Jahr abzustauben und zu entrümpeln. Somit auf –mit!- Herz und Nieren prüfen. Dialyse statt Analyse!

Schonungslos und ehrlich werde ich an Hand der einzelnen Monate zeigen, wie es zu dem allen kommen konnte. Dass ich nun hier in dem einzigen, noch erleuchteten Zimmer eines Gerichtes sitze um mit der Welt zu kommunizieren. Ich bin schon gespannt, wie das ausgehen wird.

2009. Floximo. Der Jahresrückblick. Mehr Durchschnitt als Aufschnitt.

Es ist angerichtet.

Hut ab.

Donnerstag, 28. Mai 2009

Funny Games

Ein Klingeln ließ ihn aufschrecken. Tief aus seinen Gedanken stieg er empor, hinauf in die wirkliche Welt. Manchmal ist man erfreut über diesen Umstand. Er war es nicht. Kim Yong Ill war sauer.
Gerade war ihm ein Reim eingefallen, auf den er schon so lange hatte warten müssen. Jetzt, wenige Augenblicke nachdem ihm dieses Wort vor seinem geistigen Auge erschienen, wusste er es nicht mehr. Dieses schreckliche Telefon, dachte er. "Warum schafft es die Realität des Menschen Kreativität auf solch banale Art zu zerstören? Wie um alles kann man Realist sein, wenn man zugleich ein glückliches Leben führen will? Meine Gedanken sind hier nicht frei! Ich will töten!"
Leider war das seine Antwort auf fast alles. War er sauer, tötete er. War er verliebt, tötete er nach kurzer Zeit seine Gespielinnen. Sogar Selbstbefriedigung betrieb der kleine, untersetzte Koreaner nur aus dem Grund um mit zu erleben, wie Millionen kleiner Spermien einen sinnlosen Tod starben.
Das Telefon auf seinem Schreibtisch klingelte noch immer. Er hob ab und schrie -nicht laut, aber bestimmt- in den Hörer: "Wissen Sie einen Reim auf Lendenschurz, Sie Nichtsnutz?" Am Ende erklang ein verängstigte, ausgehungerte aber unterwürfige Stimme: "Ähm, nein,... ja doch, ähm, Hasenfurz!" "Sie niveauloser, heuchlerischer, untalentierter Volltrottel," schnaubte der Diktator. "Wenn Sie Südkoreaner wären, ich müsste Sie auf der Stelle erschießen lassen." Dass er als Nordkoreaner erst morgen exekutiert werden würde, sagte Kim nicht dazu. Wozu auch?
"Was wollen Sie überhaupt, Sie speichelleckender Wurmfortsatz eines entzündeten Blinddarms?" "Ich rufe an, weil ich Ihnen, ergebener Führer, von den Nuklearraketentests erzählen wollte. Sie haben hervorragende Ergebnisse erzielt! Ein Hoch dem Führer des nordkoreanischen Volkes! Sie führen uns in eine glorreiche Zukunft in einer Welt, in der wir das letzte Land sind, das über keine Kernwaffen verfügt."
Kim Yong Ill hasste sein Volk. In seinen Augen waren seine Landsmänner einfach nur mehr blöd. Uninformierte, abgehungerte und übelriechende Kakerlaken an der Schuhsohle des wahren Kommunismus.
Er hatte nicht immer so über seine Untertanen gedacht. Früher, da war es noch lustig, das ganze Land für dumm zu verkaufen. Wie gerne hatte Kim noch selbst die Nachrichten gefälscht und Massenerschießungen angeordnet, teilweise selbst durchgeführt. Irgendwann hatte sich das ganze -von ihm allein geschaffene- Werk verselbstständigt und seine Schergen ließen ihn die ganzen spaßigen Sachen gar nicht mehr machen. In vorauseilendem Gehorsam erledigten seine Handlanger all seine Jobs, die er früher doch so gerne selber getan hatte. Er war ein Gefangener in einem von ihm erbauten Elfenbeinturm. Sein Frust entlud sich dann und wann in wirren Gedichten, in denen er die Alltagsbekleidung mitteleuropäischer Landwirtschaftskulturen durch den kommunistischen Fleischwolf drehte.
Atomwaffen waren ihm egal. Drauf geschissen, hatte er einmal in einem derben Wodkarausch in einem menschenleeren Lokal in Pyöngyang geschrieen. Das hatte damals niemand gehört. Die Besitzer des Lokals waren bereits tot.
Kim Yong Ill stand von seinem Schreibtisch auf, ging zur Balkontüre, atmete tief durch und kehrte auf seinen Stuhl zurück. Es war nicht sein Tag. Nordkorea war ihm Wurscht. Hunger vor Schönheit! Sein Motto. Es stand auf zahlreichen Bannern in der Hauptstadt und ihm gefiel die abgründige Bosheit dieser Worte. Schließlich stammten die auch von ihm.
Und plötzlich lächelte er, griff entschlossen zu einem Stift und einem Stückchen Papier und kritzelte etwas darauf. Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck ging er aus seinem Büro, schnappte sich seinen Sekretär und würgte diesen zu Tode. Dieser war zu ausgehungert um sich zu wehren. Und außerdem Staatspräsident und so.
Auf dem Zettel in des Ills Büro stand:

Es entledigt sich der Bauer des Lendenschurz
Wenn er riecht den schiarchen Hasenfurz!

Hunger vor Schönheit!

Kim Yong Ill.


Hut ab.

Freitag, 17. April 2009

The boredom of time spent alone - Part I

Es kommt nicht so oft vor, dachte er sich und lief davon. So schnell wie noch nie machte er sich aus dem Staub. Und so wie er die Dinge sah, zumindest wenn er sich einmal Zeit nahm die Dinge ernsthaft zu betrachten, konnte er gar nicht anders.
Welche Dinge? Er wusste keine Antwort. Die Fragen stellte er sich kaum selber. Er kratzte gelegentlich an der Oberfläche der Unzufriedenheit und beließ es dabei unaufgefordert sein Desinteresse an der Welt abzusondern.
"Ich kann nicht mehr. Du machst mich fertig. Das Schlimmste ist, du weißt nichts davon," klagte er sie an. Leider konnte sein Spiegelbild wenig bis gar nichts für seine Lage. Aber allein seinem temporären Zwillingsbruder traute er zu, seine Vorwürfe zu ertragen. Sonst niemanden. Nach einem Ausweg wollte er auch nicht suchen. In ihm lebte die skurille Vorstellung, seine Missgunst könnte ihn zum Wohlbefinden führen.
Er schrieb:
" Es ist wohl Frühling. Und ich mag das. Das ist nichts falsches dran, es ist nur so. Dich mag ich auch. Dass das falsch ist, wissen wir. Du eigentlich schon immer und ich auch.
Wo auch immer du jetzt bist, ich hoffe, es geht dir gut. Verzeih, dass ich frage. Es ist wohl so. Ein wenig falsch. So laut.
Geh weg, weil du willst. Bleib nicht da, weil du musst. Verlass die Verlassenden... bevor du erneut verlassen bist..."

Es tropften Tränen auf das Blatt vor ihm. Er schob es auf den Regen, aber was wollte er damit erreichen?
Nichts, es tat nur wieder mal gut. Außerdem hat sie es nicht gesehen.

Hut ab.