Liebe Landsleute !
Lasst euch das gesagt sein! Vor allem von mir. Wir sind Bank. Wir alle. Und ich wohl Alkoholiker.
Es geht ja um was ganz anderes, meine lieben Landsleute! Gestern Abend denke ich mir so für mich selbst, ich wäre gerne Uwe.
Das Leben wäre so einfach. Ich der Uwe. Uwe, würden mich die Leute rufen. Und ich würde sie hören und würde zu ihnen sagen: "Schauen Sie amol, dos geht nit, dass Sie mi einfoch Uwe nenan." Aus einem ganz einfachen Grund.
Uwe denkt gerne an früher. So wie es früher gewesen ist, das gefällt dem Uwe. Sehr sogar. Der Opa hat schon von früher erzählt, wie er es den Krainern damals gezeigt hat. Wie er einen nach dem anderen dieser Drecksbagage nieder geschossen hat. Drecksbagage. Das Wort hat dem Uwe immer schon gefallen. So sehr, dass er es heute auch noch häufig verwendet, wenn er da sitzt und seinen Freunden erzählt, was er mit der Drecksbagage aufführen würde, hätte er was zu sagen. Hat er aber nicht.
Das mit dem Aufführen mit der Drecksbagage hat der Uwe mehr von seinem Papa. Den mag der Uwe auch sehr. Oft denkt sich Uwe, dass er gerne in der Zeit vom Papa hätte leben mögen. Damals. Wie die Farben blau und orange noch einheitlich in braun gehalten waren. Voll lässig, dachte der noch junge Uwe, als der Papa immer wieder über die Krummnasaden herzog und meinte der Naduweißtschonwer hätte eigentlich eh recht gehabt, dass er diese Drecksbagage so dings, ehschonwissen, gedingst hat. In die Lager. "Gelt Uwe“, sagte der Papa oft. "Versprich mir lei oans, die Drecksbagage kummt nimma zu ins."
Uwe hat das oft nicht verstanden. Aber die gestrenge Hand des Vaters machte nicht bei der Erziehung halt. Sondern eher im Bereich unter Uwes Hosenbund. Das hat ihm nicht gefallen. Wirklich nicht. Und im Grunde ist das auch nicht lustig und erwähnenswert. Außer es erklärt folgendes.
Weil irgendwann hat ihm das schon gefallen. Das mit der männlichen Hand unterhalb des Hosenbundes. Nur war diese Hand ein wenig zarter. Kein Wunder, wenn der, dem die Hand gehört statt Kernseife Nivea-Feuchtigkeitscreme zum Einfetten hernimmt. Uwe mochte seinen Freund. Sehr. Der wollte immer mit der Drecksbagage in Wien aufräumen. Und nebenbei auch mit der ganzen anderen Drecksbagage. So einen finde ich nie wieder, dachte der Uwe. Und heiratete kurz darauf die Frau, die nicht merkte, dass er seinen Freund mehr liebte als sie.
Doch sein Freund war auch ein wenig mehr als nur der Freund vom Uwe. Nicht nur weil jeder Mensch zwei Hände hat, sondern auch der Tag 24 Stunden und die Woche sieben Tage. Uwe sah seinen Freund meist nur dienstags, wenn seine Frau, also die vom Uwe, Zither spielen bei ihren Freundinnen war. Da kam er dann. Der Freund. Uwe war auch dort.
Bis dass einmal sein Auto nicht mehr in die Richtung fahren wollte, in die es der Freund vom Uwe lenken wollte. Da war es aus mit dem Freund. Und Uwe traurig. Aber nicht der Uwe allein, sondern viele Menschen. Uwe fand das schön. Nicht den Tod des Freundes, seine Hände würden fehlen, aber das so viele Leute traurig waren. Dachte er sich und blieb der Uwe.
Gestern hat der Uwe dann einen neuen Freund bekommen. Den hat er zwar schon gekannt, aber jetzt mag er ihn wirklich. Er erinnert ihn so an seinen alten Freund. Nur ein bisserl mehr blöd. Eigentlich ziemlich blöd, hat sich Uwe am Anfang gedacht. Aber das wird schon. Hauptsache der neue Freund vom Uwe will auch aufräumen, mit der Drecksbagage.
Jetzt sitzt der Uwe da und redet. Mit der Drecksbagage über die Drecksbagage. Herrlich, denkt sich der Uwe, wenn ihn doch sein alter Freund sehen könnte. Er würde ihm sicherlich die Hand reichen. Egal wohin. Aber derweilen sitzt sein neuer Freund daneben.
Und wir in der Scheiße. Eine Flasche Bockbier ausgetrunken. Ich sitze da und will es nicht glauben. Habe ich das als Bankeigentümer wirklich notwendig? Eine Antwort gibt es nicht, weil irgendwie haben wir verlernt, uns aufzulehnen gegen das, was niemals akzeptieren dürften. Nicht einmal zu Weihnachten.
2009. Du gehst so still. Nimm sie mit.
Hut ab.
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vor 4 Jahren
1 Kommentar:
nice...
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