Dienstag, 30. September 2008
Awareness
Irgendwann erreicht man den Punkt, wo man nach Rache sinnt. Gestürzte- aber unverletzte- Pistenblockierer ordentlich einstaubt, mutwillig die Spur des Schilehrers kreuzt, sodass die Gruppe unfreiwillig aufeinander zum Halten kommt oder einfach den eigenen Schistock dazu verwendet die Bestandskraft des Helmes eines Touristen bei einem Aufprall zu testen. Zusammengefasst will ich damit sagen, dass man solchen Anfängern nicht unbedingt freundlich gesinnt ist und sie am liebsten aus dem Schigebiet jagen würde.
Doch, liebe Landsleute, es gibt einen Ort, an dem man in diesem Zusammenhang eines gelehrt bekommt, nämlich Demut. Dieser Ort ist der Strand von Byron Bay. Hier lernt man, was es bedeutet, etwas zu versuchen, das nicht wirklich in der Natur einer Person liegt. Wie es ist, wenn man sich zum Affen macht, in dem Versuch etwas zu probieren, das andere schon ihr ganzes Leben können.
Derartige Demut überkam mich an dem heutigen Tag, als ich am Nachmittag in einem etwas zu engen Wetsuit steckend in meiner ersten Surfstunde von den Surflehrern immer und immer wieder in die nächste Welle geschubst wurde und es immer und immer wieder nicht zusammenbrachte auf dem Brett aufzustehen und tatsächlich zu surfen. Ich war unfähig, im Schneepflug eine Miniwelle zu reiten., wie schauerlich. Am Ende habe ich es dann doch irgendwie zusammengebracht und bin eine Wille geritten. Gewissermaßen habe ich den Babylifthang bezwungen. Frage nicht, wie.
Meine Coaches meinen, es bestünde Luft nach oben. Das heißt, ein langer, steiniger, mit Salzwasser getränkter Weg liegt noch vor mir. Gut bin ich nämlich überhaupt nicht. Am Ende waren der Troy und der Mick zwar schon zufrieden, aber morgen geht’s auf die blaue Piste und das ist eben ein Sprung hinauf auf der Schwierigkeitsskala.
Eines will ich trotz der Plagerei nicht, aufgeben. Irgendwo stand einmal geschrieben:“ Aufgeben tuat ma an Briaf!“ Richtig. Außerdem habe ich den ganzen Dreitageskurs auch schon bezahlt. Jetzt das Unternehmen abzubrechen wäre für die Gesamtsituation nicht förderlich.
Nichtsdestotrotz sitze ich geschafft, aber umso zufriedener auf dem Balkon des Great Northern Hotels, meiner Unterkunft, und schreibe in den Sonnenuntergang hinein. Trinke Bier, höre laut Musik und genieße den anbrechenden Abend. Einkehrschwung auf Australisch.
Aber da brauchst du den meisten Anfängern eh nichts beizubringen. Das können sie meist von allein. Und ob Schirmbar oder Strandbar ist dann auch schon egal. Morresy oder DJ Ötzi, was solls? Hauptsache keine langen Unterhosen!
Obwohl ein bisschen frisch ist es jetzt schon.
Hut ab.
Southwards
Byron Bay liegt nämlich bereits in New South Wales und ist trotzdem in zwei Stunden von Brisbane aus zu erreichen. Der Lonely Planet wird wahrscheinlich dieses Städtchen als die Hauptstadt des Wellenreitens bezeichnen. Wahrscheinlich hat er mit dieser Einschätzung recht. Abgesehen von der absolut berauschenden Landschaft, die die an den östlichsten Punkt des australischen Festlands anschließende, Bucht bietet, hält dieser Ort noch zahlreiche andere optische Leckerbisse bereit.
Es ist nicht zum Aushalten! Für jeden der auch nur den kleinsten Ansatz eines Minderwertigkeitskomplex in sich trägt, rate ich hiermit: Haltet Abstand von Byron Bay! Ihr könnt noch sehr auf Eure inneren Werte stolz sein, sie zählen hier nicht. Im Gegenteil.
Hier ist wirklich jeder Mensch schön. Einfach perfekt schön. Sie alle entsprechen dem gängigen Schönheitsideal, das angefangenen von einem natürlich muskulös geformten Körper über eine zum Typ passende Frisur hin zum richtigen Braunton der Haut reicht. Wir reden jetzt nur von den Männern!
Sie hängen an den Stränden ab, surfen die Wellen als wären diese aus Schaumstoff, rauchen Gras als handle es sich dabei um Mentholzigaretten und lieben mit einer Leidenschaft, die Shakespeare zu 50 weiteren Dramen epischer Größe inspirieren würde. Sie machen keine Fehler beim Kopfrechnen, lesen auch portugisische Surfmagazine und kochen wie Jamie Oliver, ohne dabei ständig zu labern. Nein, denn sie können zuhören, haben immer einen guten Ratschlag parat und weinen auch ab zu bei romantischen Filmen, aber sie schämen sich nicht dafür. Den letzten Zahnarztbesuch haben sie in der Hauptschule absolviert, und der Zahnmediziner zog danach nach Litauen, weil er sich bewusst wurde, dass er hier niemals ein Geschäft machen könnte. Sie brauchen keine Kosmetikprodukte um gepflegt herüber zu kommen, nehmen es einem aber nicht Übel, wenn er das tun sollte. Älteren Damen helfen sie immer über die Straße, weil es sich einfach gehört. Sie fluchen nicht und spucken in der Öffentlichkeit nicht aus. Sie grüßen den Bürgermeister genauso freundlich wie den Pfarrer oder den Dorfdeppen. Trinken sie fünf Pints Bier, verhalten sie sich wie selbstverständlich das Rülpsen, man findet das in Byron Bay ziemlich unhöflich. Sie sind nie verkatert, auch wenn sie mal eine Nacht durchgezecht haben. Außerdem stinken sie nie nach Alkohol, nicht einmal wenn sie keine Zeit zum Zähneputzen hatten. Zuhause waschen sie immer ab, ohne dass sie darum gebeten werden müssten. Oftmals überraschen sie ihre Liebsten mit kleinen Geschenken, um ihre Dankbarkeit für jeden Tag des Zusammenseins auszudrücken. Sollte einmal beim Wasser lassen ein Tropfen sein Ziel nicht unmittelbar finden, dann putzen sie gleich die ganze Toilette, nicht aus Scham sondern weil das sowieso nicht allzu lange dauert. An Abenden, wo wieder mal überhaupt nichts Interessantes läuft, schalten sie den Fernseher lieber aus, und nehmen ein gutes Buch zur Hand oder spielen ein Gesellschaftsspiel mit der Nachbarin, die seit dem Tod ihres Gatten ein wenig einsam zu sein scheint. Und hat diese mal keine Zeit oder fühlt sich zu schwach, dann mähen sie ihren Rasen auch gleich mit und gießen die Blumen. Sie diskutieren kirgisische Innenpolitik und kennen das arabische Alphabet. Außerdem achten sie auf die religiösen Gefühle ihrer Mitmenschen und hegen keine Vorurteile gegenüber Einwanderern. Sie ernähren sich gesund, kaufen umweltbewusst ein und trennen den Müll schon zuhause, obwohl sie das nicht müssten. Und sind sie mal schlecht drauf, dann sie sind trotzdem dankbar, dass sie Menschen um sich haben, die ihnen Freude bereiten. Ein Lächeln können sie sich immer abringen.
Aber in erster Linie, schauen die Surfer in Byron Bay verdammt gut aus. Das ist halt so.
Hut ab.
Freitag, 26. September 2008
Fame

An Freitagen liegt eine gewisse Spannung in der Luft von Brisbane, oder nennen wir es lieber Vorfreude. Manche sagen, das läge vor allem daran, dass das Wochenende für die meisten Berufstätigen ansteht. Viele sagen:" Das stimmt!"
Eine andere Erklärung wäre, dass die Menschen den Casual Friday (soll heißen, die Kleidungsvorschriften in den Büros werden gelockert) dazu nutzen sich nach Dienstschluß mit den Kolleginnen in einem naheliegenden Pub hemmungslos zu betrinken. Die Anzahl der Verkehrskontrollen an Freitag Nachmittagen widerspricht dem nicht unbedingt.
All das würde mit einen Eindrücken übereinstimmen, die ich bei meinem heutigen Spaziergang durch das West End gesammelt habe.
Trotzdem sind diese Theorien falsch. Die Wahrheit ist eine andere.
Jeden Freitag erwartet ganz Brisbane das Erscheinen der neuen Ausgabe von Fourthousand- subcultural Guide to Brisbane, einem der 7 wichtigsten Straßenmagazinen der Stadt. Naja, vielleicht nicht ganz Brisbane, so wirklich 1,1 Millionen Menschen werden nicht unbedingt darauf warten. Aber zumindest die, die wissen, dass das Magazin an Freitagen erscheint. Kurz- die Helden.
Warum erzähle ich das eigentlich? Nun, Fourthousand bestimmt was und wer cool in Brisbane ist. Für eine Bar kann eine Erwähnung darin enorm viel bewirken. Was genau? Keine Ahnung.
Darüber hinaus zeigt Fourthousand die hippsten Nachtschwärmer und die Setter der Trends von morgen. Aber nur acht davon. Die acht wichtigsten Menschen der australischen Subkultur. Abgebildet auf einem Foto auf der Homepage des Blattes. Acht Fotos, die bestimmen was morgen Millionen von Menschen denken, fühlen oder zumindest anziehen.
Und unter den acht dieser Woche befindet sich ein junger, adretter, begabter, intellektueller und gutaussehender Mann. Cameron! Nein, stimmt nicht.
Ich! Ich bin eine von acht Personen, die vor der Show von Bill Bailey Dienstag Abend vor die Linse gebeten wurden, um die neueste Ausgabe von Fourthosuand zu bereichern.
Ich liebe Brisbane! Und Brisbane liebt mich!
Endlich erfahre die Sorte Anerkennung, die man sonst vielleicht nach 4 Toren in einer Halbzeit bekommt. Die Blicke, das Getuschel, das Kreischen, wenn ich auf den Straßen von West End spaziere,es bleibt noch aus. Aber das ist nur noch eine Frage der Zeit.
Ich muss gestehen, in den letzten Tagen war ich ein wenig ratlos. Ratlos ob meiner eigenen Unfähigkeit weiter als 48 Stunden zu planen. Oder der von mir gewählten Form der Zimmerdekoration, nämlich Chaos. Stellt euch vor, mein Kleiderschrank ist ein Wäschetrockner. Hier schon das Ende meiner Ratlosigkeit zu vermuten, wäre zwar erstrebenswert, entspricht jedoch nicht der Realität. Soviele unbeantwortete Fragen türmen sich vor mir auf, und fordern eine nach der anderen abgearbeitet zu werden. Ich weiß nicht einmal, mit welcher ich anfangen soll. Alles in allem habe ich nach 4 Wochen noch viel Restprogramm für die restliche Verweildauer übrig gelassen.
Aber, Wurscht. Ich bin im Fourthousand. Über jeden Zweifel erhaben. Was will ich mit solcher negativen Energie, Mensch.
Wer braucht schon Selbstbestätigung, wenn er sich selbst anziehen kann.
Hut ab.
Hier der Link: http://www.fourthousand.com.au/issues/63/
Mittwoch, 24. September 2008
Dreaming
Der für gestern geplante Blogeintrag musste leider entfallen. Zum Glück hat sich noch kein wirklicher Veröffentlichungsrhythmus entwickelt, sodass dieser Umstand den meisten von euch relativ egal gewesen sein dürfte. Nicht für mich! Ich fühle mich verpflichtet fünf mal die Woche meine Wahrheit von Brisbane aus an dieser Stelle mitzuteilen.
Die Menschen können die Wahrheit vertragen. Menschen wollen die Wahrheit hören. Von mir bekommen die Menschen die Wahrheit. Mit diesem Vorsatz bin ich in diesen Blog gestartet, weil ich in vielen Gesprächen mit den Menschen dieses Bedürfnis gespürt habe. Dieses Gespür für die Nöte und Wünsche der Menschen fehlt leider vielen meiner blogerischen Mitbewerbern. Ich habe mich bereits in der Vergangenheit, und zwar noch vor allen anderen Blogschreibern, eigentlich bevor es Blogs überhaupt schon gegeben hat, mit der Verkündung der Wahrheit an die Menschen beschäftigt. In diesem Punkt unterscheide ich mich ganz deutlich von denen, die nur kurzfristig die Wahrheitssehnsucht der Menschen befriedigen wollen. Aber ich vertraue auf das Gespür der vielen Menschen draußen, die genau wissen, dass die Wahrheit nicht immer nur rosig und angenehm sein kann. Diese Menschen, ich meine eigentlich alle Menschen, erkennen auch die Probleme, welche bei der Wahrheitsfindung auftreten können. Doch ich verspreche den Menschen, dass ich, soweit ich das Vertrauen der Menschen auch nach diesem Blogeintrag in ausreichendem Ausmaß gewinnen kann, mich weiterhin der Wahrheit zu verschreiben.
Schließlich und endlich hängt davon unsere Zukunft ab. Ganz richtig, es ist unsere Zukunft. Das, was wir erreichen oder auch nicht, wird unsere Zukunft sein. Die Zukunft beginnt jetzt, in diesem Moment, und wird genau im selben Augenblick wieder Vergangenheit. Wenn aber die Zukunft in dem Zeitpunkt wo sie zur Gegenwart wird gleichzeitig wieder Vergangenheit ist, leben wir dann überhaupt in der Gegenwart? Im Grunde ist Zeit bedeutungslos, denn alles war irgendwann Vergangenheit, dann Gegenwart und davor Zukunft. Oder umgekehrt?
Ein Licht. Licht, das keine Wärme ausstrahlt. Es blendet nur und bringt nichts. Aber dieses Licht will gar keine Wärme geben, es will nur, dass wir, für die das Licht glaubt zu scheinen, Sonnenbrillen bekommen. Manche haben vor diesem Licht Angst, andere stehen auf die Sonnenbrillen, die uns das Licht verspricht.
Werner Faymann vs. Willi Molterer. In meinen Kopfhörern höre ich diese beiden Stimmen wild durcheinander reden. Ich denke, dass ich noch immer träume. Aber nein, ich bin wieder wach.
Hut ab.
Dienstag, 23. September 2008
Holes
Aus diesem Grund folgt nun eine kurze Biographie über den Firmengründer von Hutchinson, den legendären LLoyd Hutchinson.
LLoyd Hutchinson wurde am 26.Juni 1889 geboren. Sein Vater, Garry Hutchinson, der Erbe eines großen schottischen Schafszuchtvermögens, war zehn Jahre zuvor nach Australien ausgewandert. Garry Hutchinson galt als strenggläubiger und gottesfürchtiger Mensch, der ein Gebot partout nicht einhalten konnte bzw. wollte. Monogamie. Aus diesem Grund verließ er auch schweren Herzens seine Heimat, weil er gehört hatte, dass die Vielweiberei auf dem neu entdeckten Kontinent nicht verboten sei.Jedoch justament an dem Tag als sein Schiff im Hafen von Sydney eintraf, wurde die Polygamie in New South Wales von der Regierung untersagt. Deshalb zog Garry Hutchinson mit seiner "offiziellen" Ehefrau, der gebürtigen Französin Claire de Beauclaire, nach Norden, genauer nach Queensland, und ließ sich in der Stadt Multiloversville, dem heutigen Toowong, häuslich nieder. Dort verbrachte er den Rest seines Lebens mit Alkohol, häuslicher Gewalt und dem täglichen Kirchgang. Meist beließ er es auch bei dieser Reihenfolge. Er starb 1924.
Claire Hutchinson stammte aus dem Hause eines calvinistischen Pastors in Toulon und hatte den ungestümen Garry bloß aus Trotz gegenüber ihrem herrschsüchtigen Vater geheiratet. Aber nichtsdestotrotz liebte sie ihn. Zumindest liebte sie dessen Geld, das nie zu zu versiegen schien. Artig gebar sie ihm 4 Söhne, von denen Lloyd der Drittälteste war.
Weder Garry noch Claire waren in der Lage oder gewillt eine innige Beziehung zu ihrer Brut- wie sie die Früchte ihrer körperlichen Liebe zu nennen pflegten- aufzubauen. Deshalb war das einzige Geschenk, das Lloyd jemals in seiner Kindheit erhielt, eine Schaufel gewesen. Diese Schaufel liebte der schmächtige Bub vom ersten Tage an so sehr, als ob er zu wissen schien, dass diese Schaufel den Verlauf seines Lebens auf immer bestimmen würde. Die Schaufel und er waren unzertrennlich. Selbst in die Schule nahm er sie mit, wo ihm der deutsche Lehrer auf Grund gewisser Probleme beim Rezitieren von Goethes "Faust" Legasthenie attestierte. Diese Lese- und Schreibschwäche verhinderte LLoyds Einsatz im ersten Weltkrieg, in dem all seine Brüder fielen.
Seit dem Tag an dem Lloyd seine Schaufel bekommen hatte, grub er Löcher. Kleine Löcher, große Löcher, Löcher im Sandboden, Löcher in Schotterböden. Jeden Tag ein Loch, so lautete sein Motto. Ihm war klar, dass er bis an sein Lebensende Löcher buddeln wollte. Etwas anderes konnte er sich nicht vorstellen.
Nachdem die Hand seines Vaters von der Gicht verkrüppelt worden war, suchte sich Lloyd eine Frau fürs Leben und fand sie in der deutschen Bierkutscherstochter, Maria Schwarzenbeck. Sie war fasziniert von dem Ehrgeiz des jungen Grubengräbers, der eine Zeit lang nur noch in ihrem Garten Löcher aushob um ihr auf eine naive Art und Weise seine Liebe darzubringen. Schließlich gab sie seinem Werben nach und 1921 das Ja-Wort. Bald darauf zogen sie weiter nach Brisbane.
Allerdings stellte Maria eine Bedingung an ihren neuen Ehegatten. LLoyd sollte seine Fähigkeiten dazu nutzen um der Familie ein Einkommen zu sichern. Die Idee, Geld für das Lochbuddeln zu erhalten, gefiel Lloyd so sehr, dass er bald darauf am örtlichen Firmenamt stand um sein Unternehmen anzumelden. Der Name sollte ursprünglich " The Bloody Awesome Hole Diggers" lauten. Auf Grund seiner Legasthenie und seinem übersteigerten Schamgefühl verwechselte Lloyd beim Ausfüllen des Unternehmensgründungsformulars die Zeilen für den Firmennamen mit denen für den Familiennamen und so hieß sein Lochaushubsunternehmen von nun an Hutchinson. So wie er.
Da es mit diesem Firmennamen praktisch unmöglich geworden war anständige Aushubaufträge an Land zu ziehen, musste LLoyd auf Ratschlag seiner Ehefrau seinen Tätigkeitsbereich erweitern und er begann die von ihm gegrabenen Löcher mit Häusern zu füllen, die er dann an interessierte Kunden weiterverkaufte. Er selbst buddelte weiterhin seine Löcher ( für die Häuser hatte er Architekten angestellt), wer, was, wie damit anstellte, blieb für ihn immer uninteressant. Hauptsache war, er und Maria hatten genug Einkommen für Haus, Kinder und Aborginiesklaven.
1943 übergab er das Geschäft an seine beiden Söhne John und Hans, die den Erfolg des Unternehmens vorantrieben, bis zu dem Punkt, wo es sich heute befindet. An der Spitze.
In seinem letzten Lebensabschnitt blieb Lloyd seinem Motto treu und grub weiter jeden Tag sein Loch in die australische Erde. Nur deren Größe nahm immerzu ab und am Ende handelte es sich dabei nur noch um Golflöcher, in die er später versuchte den Ball hinein zu putten.
1965 legte er sich für immer schlafen. Seine Familie war bei ihm. Fast. Sie wurden von seinem Ableben zeitgerecht informiert. Das Begräbnis fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Familiensitz nahe der Sunshine Coast statt. Sein Grab hatte LLoyd sich noch selbst geschaufelt.
Seinen Grabstein ziert heute noch das Lebensmotto des großen Queensländer Unternehmensgründer LLoyd Hutchinson: I dug hole.
Hut ab.
Sonntag, 21. September 2008
Choice
Und da stand ich nun. Bei Cold Rocks. Der wohl besten Eisdielenkette der Welt. Wie lange ich bereits vor der Theke stand, hatte ich vergessen. Mein Blick wanderte unentwegt zwischen den dort angebotenen Eissorten hin und her. So viele Sorten, alle machten einen mehr oder weniger schmackhaften Eindruck auf mich. Eines hatten sie gemeinsam. Sie verhinderten, dass ich eine Wahl treffen konnte. Je länger ich meine Entscheidung hinauszögerte desto mehr verfinsterte sich der Blick des Kundenbetreuers, der mich gerne bedient hätte.
Links und rechts von mir kamen andere Menschen an die Reihe, blickten kurz auf das Angebot und bestellten. Eine Minute später hielten sie bereits ihr Eis in der Hand und entfernten sich zufrieden. Offensichtlich schmeckte ihnen, was sie für sich ausgesucht hatten. Wie diese Menschen ihr Lieblingseis gefunden hatten, ließ sich für mich nicht feststellen. Jede Kundin oder jeder Kunde schien bereits im Vorhinein zu wissen, was ihr bzw. ihm am besten schmecken würde.
Warum aber, fragte ich mich ständig - umringt von den Schnellentschlossenen, fällt es mir so schwer eine Sorte auszuwählen. Natürlich mag ich Vanille. Das habe ich schon von klein auf gegessen. Außerdem macht man bei Vanille keinen Fehler. Man weiß, was man bekommt. Dies wäre eine Möglichkeit. Aber ich habe schon vor langer Zeit auch andere Sorten Eis für mich entdeckt, die ich genauso gerne esse bzw. bei anderen gekostet habe. All diese Sorten sind einzeln betrachtet verführerisch lecker. Doch wie sie in diesem Moment neben einander vor mir lagen, bereit bestellt, gegessen und genossen zu werden, gelang es mir nicht, mich für eine von ihnen zu entscheiden. Zu sehr überfiel mich die Angst, später draufzukommen, lieber Haselnuss anstatt Cookies&Cream gehabt zu haben. Jede Entscheidung für eine Sorte, wäre eine Entscheidung gegen das restliche Sortiment gewesen. Ich wollte allerdings sicher gehen, die absolut beste Geschmacksrichtung für mich zu finden.
Da stand ich nun. Lange. Meine Lage verbesserte sich in die verkehrte Richtung. Langsam beschlich mich eine Panik. Die Panik nie in der Lage zu sein, ein Eis für mich auszusuchen. Der Eisverkäufer erkannte meine Situatuion, offensichtlich war er das als Cold Rocks-Mitarbeiter gewohnt, vielleicht wurde er bei seiner Einschulung auf solche Kunden wie mich speziell hingewiesen. In jedem Fall bot er mir Kostproben von seinen Eissorten an. Kostproben?
Nun gut, sie waren gratis. Deshalb nahm ich sie entgegen. Im Grunde wusste ich, dass diese freudlich gemeinte Geste des Verkäufers nichts an der meiner Situation ändern würde. Dadurch fand ich legendlich heraus, dass tatsächlich mehrere Sorten für mich in Frage kommen würden.
Ich stand da. Und dachte an Cameron. Er hatte mir von einer Theorie erzählt, wonach zuviele Auswahlmöglichkeiten Menschen unglücklicher machen als wenige Optionen.
Ich musste ihm zustimmen. Dankte Tom, dem Eisverkäufer für seine Geduld und ging ohne Eis nachhause. Das nächste Mal, wenn ich wieder zu Cold Rocks gehe, dann werde ich wissen, welche Sorte ich essen werde.
Verdammt! Mir ist gerade eingefallen, dass man bei Cold Rocks auch noch mindestens zwei zusätzliche Fillings in das Eis mixen lassen kann. Was nun?
Hut ab.
Donnerstag, 18. September 2008
Search
einst verliebte ich mich in Babsi Schett.
Im Grunde ist der Ort Noosa Heads immer eine Reise wert. Der Lonely Planet empfiehlt den Ort allen Reisenden, die entlang der australischen Ostküste unterwegs sind. Nicht unbedingt zu unrecht. Neben den relativ modernen Ortskern in der Hastings Street mit seinen zahlreichen Surfshops sämtlicher Weltmarken, sowie teuren und noch teueren Restaurant, bietet sich, an den Ortskern anschließend, ein Nationalpark an erkundet zu werden. Dieser Nationalpark stellte auch den Hauptgrund für Verena, Max und mich dar um die einstündige Fahrt dorthin auf uns zu nehmen. Noch dazu bot das Wetter nicht unmittelbar Anlass in Caloundra zu verweilen, da es für einen Tag am Strand und den Wellen etwas zu bewölkt und zu windig war. Kurz um das Wetter war schiarch.
Die Kleidung schick, die Erscheinung adrett,
so begann die Suche nach Babsi Schett.
Allerdings kennt Verena zufällig Babsi Schett. Und rein zufällig hat sich das ehemalige österreichische Tennisstarlet mit ihrem nunmehrigen Ehemann, einem Australier, in Noosa niedergelassen. Diese Tatsache allein war Grund genug, die gesamte Fahrt nach Noosa unruhig auf der Rückbank des Leihautos von Max und Verena herumzuwetzen. Angespannt und nervös machte ich mir Gedanken, wie wohl ein Zusammentreffen mit der feschen Tirolerin ablaufen würde. Nach circa zehn Minuten war ich mit sämtlichen erotischen Phantasien durch und es blieb noch genug Zeit um ganz seriös an die Sache heranzugehen. Trotzdem, je geringer die Entfernung auf den Straßenschildern, desto unsicherer wurde ich. Was könnte man und vor allem was sollte man auf keinen Fall einer österreichischen Prominenten bei einem Zusammentreffen am anderen Ende der Welt mitteilen?
Zum Surfen, da braucht man ein Brett,
doch wie findet man Babsi Schett?
Leider stellte sich Noosa Heads als ein kleines Touristennest heraus, das von den Einheimischen- meinen Eindrücken nach- eher gemieden wird. Kurzum, von Babsi keine Spur. Da half es auch nicht, dass ich aufmerksam jeden von uns passierten Tennisplatz auf eine blonde Spielerin mit geschmeidiger Vorhand und druckvoller Top-Spin-Rückhand absuchte. Sie blieb unentdeckt. Davon ließen wir uns jedoch nicht entmutigen und starteten etwas trotzig zwar einen Rundgang durch den Noosa Heads Nationalpark. Zwar konnten wir keine der versprochenen Koalas sichten, dafür gelangten wir an einige sehenswerte Strände, die aber an diesem Tag bloß von einigen unverwüstlichen Surfern genutzt wurden, da traumhafte Wellen diesen die widrigen äußeren Bedingungen abgalten.
Mate, why are you so damn wet?
Sorry, I was lookin’ for Babsi Schett.
Auch nach unserer Rückkehr aus dem Nationalpark war Babsi, wie ich sie inzwischen nannte, immer noch nicht aufgetaucht. Die Hoffnung schwand zusehends, sie an diesem Tage noch zu Gesicht zu bekommen.
Da! Auf einmal, Sie, blond, aber viel zu fett.
Das war sie nicht, die Babsi Schett.
Desillusioniert musste ich kurz vor Sonnenuntergang akzeptieren, dass ein Treffen mit Babsi an diesem Tag nicht statt finden würde. Noch dazu wären Verena und Max bald ohne mich in die Wohnung zurückgefahren. Irgendwie schien ihnen das nicht soviel auszumachen, dass sie unsere beste Tennisspielerin aller Zeiten nicht zu Gesicht bekommen würden. Wer mag es ihnen verdenken. Schließlich hat jeder Mensch andere Träume und verwirklicht diese auf seine eigene Art und Weise. Doch zu wissen, dass man der Erfüllung eines seiner Träume so nahe kommt und letztlich doch scheitert, schmerzt im nachhinein besonders.
Aber ich komme wieder.
Traurig und müde ging ich zu Bett,
und träumte von ihr, von Babsi Schett.
Hut ab.
Tides
Rainer P.:Herzlich Willkommen, sehr geehrte Damen und Herren! Wir melden uns heute live aus Australien, besser gesagt von der Sunshine Cost, wo sich eine Sensation aus österreichischer Sicht anbahnt. Im Moment liegt nämlich der junge Oberösterreicher Florian Zillner im Bodyboard-Contest presented by Luvian, hier am Dickie Beach ganz deutlich in Führung! Herbert, eine Sensation?
Schneckerl: Ja, sicherlich hat niemand damit rechnen können, dass ausgerechnet der Zillner in Führung liegen würde. Aber ihn kommt sicherlich auch zu gute, dass er der einzige Teilnehmer an dem Wettbewerb ist.
Rainer P.: Hansi?
Knaußi Hansi: Jo, richtig. Er ist der einzige Starter. Aber des taugt mir unheimlich, ein Wahnsinn der Bursche. Als einziger im Wasser, unglaublich, gratuliere dem Burschen.
Rainer P.: Wo liegen Ihrer Meinung nach die Stärken des Österreichers?
Schneckerl:Ja. Ihn ist nicht so kalt wie möglicherweise einem Australier. Die sind wohl höhere Wassertemperaturen gewöhnt. Außerdem ist er weiterhin der einzige am Strand, der versucht zu surfen. Für andere dürfte der Wellengang, sagen wir es höflich, nicht ausreichend sein.
Knaußi Hansi: Der Wellengang ist unheimlich. Mehr was für Schleicher.
Rainer P.: Wir sind ja auch am Meer, nicht wahr? Haha...
Schneckerl und Knaußi Hansi(gemeinsam)): Darf das wahr sein? Hast du das jetzt wirklich laut sagen müssen? Denk lieber nach bevor du was sagen will...ach, sag lieber nichts.
Rainer P.: Gibt es überhaupt Schwächen bei unserem jungen Helden?
Schneckerl: Ja, die gibt es sicher. Zunächst erwischt er keine einzige Welle. Und das wäre eigentlich die Grundvoraussetzung für erfolgreiches Wellenreiten. Es muss ihn gelingen aus dem Abseit des Wellengangs zu kommen. Bis jetzt aber zeigt er eigentlich gar nichts, abgesehen von einigen Ausbrüchen der Frustation.
Knaußi Hansi: Oiso. Ich habe mich gestern mit dem Burschn unterhalten. Ein ganz witziges Bürschl. Schwächen hat der Bursche eigentlich nur zwischen dem fünften und sechsten Bier gezeigt. Da hat er extrem gewackelt. Ansonsten ein Wahnsinn, wie der gegen mich mithalten hat können.
Rainer P.: Ich frage mich ja, ob die Leistung von Florian Zillner mit den Gezeiten zu tun haben könnte.
Knaußi Hansi: Gezeiten? Es ist halb zwölf.
Schneckerl: Ja. Sicherlich. Normalerweise geht man um diese Zeit nicht Wellen reiten. Denn wenn man sich ganz ehrlich ist, dann muss man sagen, dass die Wellen im Moment ein Lercherl sind. Während der Zillner versucht, eine Welle zu erwischen, bauen kleine Kinder in der Brandung Sandburgen.
Rainer P.: Da möchte ich gleich einen Programmhinweis einschieben. Der ORF überträgt morgen ab 20:15 „ Das große Promi-Sandburgen-Bauen“ live aus Jesolo. Mit dabei, unter anderem Andi Goldberger, Babara Wussow mit Albert Fortell, Harald Krassnitzer und Werner Faymann. Das große Promi-Sandburgen-Bauen wird präsentiert von der Kronen Zeitung.
Knaußi Hansi: A Wahnsinnsidee.
Schneckerl: Ja. Das ist echt Wahnsinn
Rainer P.: Aufgepasst! Gerade versucht Zillner wieder eine Welle zu erwischen. Beherzt versucht mit ein paar Paddelschlägen auf die Welle zu gelangen, viel fehlt nicht mehr und er ist im Ziel.....
Schneckerl: Ja. Die Welle hat ihm erwischt. Noch kann er sich auf dem Brett halten.... Jetzt nicht mehr..... Er verschwindet in der Gischt.....
Knaußi Hansi: Ein Wahnsinn.... Den Hundling hat es ordentlich in das Wasser hineingelassen....Super, gewaltig, eine Freude ihm dabei zuschauen zu dürfen.....
Rainer P.: Da, ein Bein schaut aus dem Wasser heraus...... Jetzt, ganz kurz eine Hand..... Im Moment nicht mehr....
Schneckerl: Ja. Viel schaut nicht mehr heraus für ihm. Oder von ihn. Erst jetzt gibt ihm die Welle wieder frei. Durstig dürfte er nicht mehr sein. Er hat eine Menge Wasser schlucken müssen.
Knaußi Hansi: Genial, wie ihn da die Welle erwischt hat. Steilhangausfahrt nichts dagegen. Senkrecht mit der Papalatur in den Sand hineingesteckt. Brutal, ein Wahnsinn. Sovü schluckt normalerweise nur der Bode vor dem Rennen.
Rainer P.: Aber. Auch wenn er, Florian Zillner, momentan eher nur nach Luft zu ringen scheint, so darf ich stolz vermelden, dass er auch den Sieg im Bodyboard-Contest presented by Luvian erringen konnte. Ein österreichischer Sieg. Gratulation!
Schneckerl: Ja. Ich gratuliere den einzigen Teilnehmer herzlichst.
Knaußi Hansi: Ein Wahnsinn, der Bursche, super Leistung, taugt mir total.
Rainer P.: Natürlich werden wir gleich nach der Mund zu Mund-Beatmung durch die australischen Rettungsschwimmer versuchen ein Interview mit unserem neuen Helden zu ergattern. Dazu gibt es Analysen von und mit Herbert und dem, dann sicher nicht mehr nüchternen Hans Knauß. Bis dahin, alles Gute! Herbert, ein paar abschließende Worte.
Schneckerl: Es bleibt zu hoffen, dass die australische Sonne ein nicht noch größeres Hirn in dein Gehirn brennen wird, Rainer. Aber was weiß ich schon. Schöne Grüße nach Österreich.
Hut ab.
Seaside
Ihr habt richtig gemerkt, liebe Heldinnen und Helden, ich bin aufgebracht. Geradezu wütend. Denn ich lebe gerade das totale Klischee. Unverzeihlich das alles.
Heute, Montag, habe ich, zusammen mit Verena und Max, die heimelige Beattie Street und damit Brisbane verlassen, um der Strandwohnung der Smiths in Caloundra einen viertägigen Besuch abzustatten. Grundsätzlich handelt sich bei der Stadt Caloundra um eine Stadt in der Größe und der Bedeutung von Braunau. Aber im Gegensatz zu Braunau liegt Caloundra nicht an der deutschen Grenze, sondern an der Sunshine Coast. Viel schlimmer als dieser Name ist allerdings die Tatsache, dass hier tatsächlich die Sonne scheint und der Pazifische Ozean auch noch direkt vor der Haustür liegt. Dazu trifft das Meer an zahlreichen Sandstränden auf Land, sodass gewisse Menschen mit einer Vorliebe für Surfboards und Menschen mit einer Vorliebe für Menschen auf Surfboards gleichermaßen auf ihre Rechnung kommen.
Selbst bei unserer Ankunft war das ganze Ausmaß des grauenvollen Klischeesbestätigens sofort abzusehen. Vorausgesetzt man hat eine Sonnebrille getragen. Denn wenn ich oben von einer Smithschen Strandwohnung gesprochen habe, so trifft auch diese mitten ins Herz eines jeden Klischees. Von hier aus kann man das Meer nicht nur erahnen, nein, man kann es sowohl hören als auch sehen. Will man aber jetzt nicht sofort an den Strand sprinten, dann bietet das Appartement auf zwei Etagen auch den Luxus, den man sich höchstens erträumen, aber niemals zu erwarten traut. Große Küche, großer Balkon, großer Flachbildschirmfernseher!
Schlussendlich habe ich es doch noch geschafft und mich vom Fernsehgerät gelöst. Wir sind zum Strand. Um dort, aus meiner Sicht, die nächste Enttäuschung zu erleben. Es ist bedauerlich, aber Österreicher können nicht surfen. Zu dieser Erkenntnis kam ich, an ein Bodyboard geklammert, nach einer guten halben Stunde erfolgloser Bemühungen auch nur eine Welle zu erwischen. Erwischt habe ich dann doch noch eine Welle. Oder sie mich. Je nach dem. Zumindest kam es für mich ziemlich unerwartet. Der Welle schien dies eher egal zu sein und brach feuchtfröhlich über mich herein und nahm mich ein wenig mit auf die Reise. Ich durfte viel von ihrem Inneren erleben und trinken und schließlich gab sie mir noch eine große Packung Sand mit auf dem Weg, den sie großzügig auf meine Badehose und mein Surfshirt verteilte.
Zuhause unter der Dusche versuchte ich, mich von diesem Sand zu trennen, was mir auch gelang. Deshalb findet ab nächster Woche die australische Beachvolleyballmeisterschaft der Rettungsschwimmer in dieser Badewanne statt. Alles in allem kann ich jeden verstehen, der froh ist, das hier nicht miterleben zu müssen. Für mich bedeutet es aber noch einige Tage leiden. Und einschmieren. Ich will keinen Sonnenbrand.
Hut ab.
Donnerstag, 11. September 2008
Thongs
Jetzt könnten natürlich Menschen- nennen wir sie auf Grund ihres guten Aussehens "Gutmenschen"- behaupten, dieser Vergleich sei weit hergeholt. Natürlich ist mir bewusst, dass man Birkenstockschlapfen nicht am Spieß braten kann. Aber darum geht es doch nicht. Ich, als aufrechter und ehrlicher Weltenbürger sehe ein, dass manchen australischen Mitmenschen der Anblick von traditionellem mitteleuropäischen Schuhwerk Angst einflößen könnte. Dies würde zur Folge haben, dass heimatbewusste Kräfte vor einem Bedeutungsverlust des traditionellen Flip-Flops ( australischer Name übrigens: Thongs) warnen müssten. In der Bevölkerung würde es schnell zu schweren Ausschreitungen kommen, Massenproteste müssten organisiert werden und öffentliche Birkenstockverbrennungen wären die Folge.
Minderbemittelte, aber deshalb umso ehrlichere Ex-Paintball-Politikerhohlköpfe könnten die Stimmugen in der Bevölkerung ausnutzen versuchen und mit Sprüchen wie "Ayersrock statt Birkenstock" oder "Lieber Shark-Attack als Schlapfendreck" politisches Kleingeld wechseln.
Zusammengefasst, dass ganze Australien wäre dem Untergang geweit, wenn ich mit meinen geliebten Birkenstocks durch die Straßen von West End latschen würde.
Aber, ich bin kein Trenner. Ich bin ein Zusammenführer. Ein Beibehalter.
Deshalb habe ich meine treuen, wohl eingegangenen Schlapfen erst gar nicht herüber nach down under mit genommen. Vielmehr bestand einer meiner ersten Wege in diesem Land darin ein Surfgeschäft aufzusuchen um dort ein Paar lässiger Thongs zu erwerben. Wie es sich gehört eines der Marke Billabong.
Dennoch bin und bleibe ich Europäer. Da kann man nichts machen. Dies ist eine schmerzvolle Erfahrung, die ich nach dem Kauf dieser Integrationstreter machen musste. Zwar entgehe ich mit meinen neuen Weggefährten der gesonderten Aufmerksamkeit der australischen Öffentlichkeit, aber leider nicht ziemlich schmerzhaften Abschürfungen an meinen Füßen, die sich entlang der Riemen der Thongs gebildet haben. An beiden Füßen bin ich offen und rechts eitert das ganze schon ein bisschen.
Insgesamt keine wirklich befriedigende Situation. Aber ich will hier nicht anecken, will einer von ihnen sein. Nie mehr Hammelbraten! Es bleibt mir nichts anderes übrig als weiterhin in diesen Folterinstrumenten meine Wege zu gehen. Ein regelmässiger Weg ist inzwischen der Besuch des extrem angenehmen Cafés "The Three Monkeys" geworden, wo man günstigen Kaffee in sehr angenehmer Atmosphäre zu sich nehmen kann.
Ich bin willig zu Integration, achte die Werte und Bräuche des Landes und verhalte mich unauffällig. Trotzdem läuft mein Visum in 6 Monaten wieder aus und ich muss hier weg. Was wird dann bleiben? Hoffentlich keine Wundmale an meinen Füßen und die Gewissheit, dass es egal ist, ob man jetzt von Schnitzel, Hammelbraten oder Burgern fett wird.
Man ist was man i(s)st. Nein, besser: Man ist, wer man ist. Immer.
Hut ab.
Mittwoch, 10. September 2008
Biorhythmus
Seit genau einer Woche tickt also die Uhr. Sekunden, Minuten, Stunden und auch Tage vergehen und sie scheinen mir unaufhörlich die selben Fragen zu stellen. "Warum ist er denn hier?", " Was will er denn machen?", "Lässt er sich tatsächlich einen Bart wachsen?".
Was letzteres betrifft kann ich die Antwort verraten. Eher nicht. Im Grunde bin oder war ich zu faul mich ernsthaft mit einer Gesichtshaarberichtigung zu beschäftigen.
Zum wesentlichen. Es tut sich bei mir nicht viel. Das ist gut so. Ich lebe in den Tag hinein. Stehe auf um wieder ins Bett gehen zu können. Dazwischen genieße ich die trügerische Stille, die das Leben eines Flüchtlings ( vor den Bedrohungen des Erwachsenwerdens) hier in Brisbane, Australien, mit sich bringt. Dennoch gibt es soetwas wie einen geregelten Tagesablauf. Dies ist allein meinem Biorhythmus geschuldet, der seltsamerweise noch immer auf dem österreichischen Betriebsystem läuft. Bei acht Stunden Zeitverschiebung eigentlich nicht praktisch. Das ist kein Jetlag. Es handelt sich viel mehr um eine Weigerung meines Körpers die neu geschaffenen Realitäten anzuerkennen.
Wir gehen zwar Kompromisse ein, der Biorhythmus und ich. Er lässt mich nachts durchschlafen und gegen acht Uhr munter werden, sodass ich wenigstens mit meinen Hausbewohnern frühstücken kann, bevor die sich meist in Richtung Uni, Arbeit oder der Arbeit an der Uni verabschieden. Danach bin ich mit dem jüngsten Bewohner der Beattie Street, Eli, seiner Mom Cathy und dem Hund Toby allein. Um nicht sofort wieder in einen komatösen Schlaf zu fallen, gestalte ich meine Tage ( und es wird hier um sechs Uhr abends dunkel) mit Spaziergängen und Internetrecherchen, bevor ich gegen vier zum ersten Mal den Anstregungen Tribut zolle und das erste powernapping einschiebe. Um der Qualität des australischen Fernsehprogramms gerecht zu werden schlafe ich dann auch bei diesem ein und wenn dann per einstimmigen Beschluss ein Film geschaut wird, bekomme ich von diesem auch meist nicht mehr als die ersten zehn Minuten mit.
So zieht sich das alles hin. Wunderbar. Natürlich erlebe ich auch spannende Dinge. Am Sonntag um halb sieben bin ich mit 30000 anderen Verrückten einen 10 km Funrun gelaufen. Unter einer Stunde. Was mir auch gleich den Sieg in der inoffizielen Österreicherwertung eingebracht hat. Ich habe Kängurus gefüttert und Koalabären beneidet. Koalas trinken nämlich nicht. Und ihre Trägheit rührt daher, weil sie ständig Eukalypthus fressen und der beruhigt ungemein. Am liebsten hätte ich mich zu diesen pelzigen Chillout-Chefs an den Baum gehängt, aber im teilen sind diese nicht unbedingt Weltmeister.
Apropos Weltmeister. Litauen ist nicht Lettland. Leider. Dafür haben die Socceroos die Hundskicker aus Usbekistan besiegt und diesem Drecksland die Grenzen aufgezeigt. Nieder mit Usbekistan.
Entschuldigt, aber meine Eukalypthus-Dosis lässt nach, ich werde mir wohl ein Lunch besorgen müssen.
Bis dahin. Hut ab.
Dienstag, 9. September 2008
Der Helden Blog 1.2
Herzlich Willkommen zu meinem neuen Blog! Es freut mich sehr, dass ihr euch entschlossen habt, meinen Gedanken eine Chance zu geben von euch gelesen zu werden.
Ich widme diesen Blog den Helden. Wer sind die Helden? Die Menschen, die diesen Blog lesen.
Ihr seid es, die es ermöglichen, dass ich mich gezwungen fühle die Ehre zu haben, meine Zeit in Australien zu dokumentieren und für euch in mehr oder weniger verständlichem Deutsch niederzuschreiben-ohne finanziell davon zu profitieren.
Worum soll es eigentlich gehen?
Es geht hierbei nicht allein um MICH. Es geht auch nicht allein um AUSTRALIEN. Es wird einzig allein um MICH in AUSTRALIEN gehen.
Ihr werdet die Wahrheit zu lesen bekommen. Die reine Wahrheit über das Land, die Leute und mich! Und zwar so wie ich sie fühle.
Ich werde mein Herz benutzen um zu sehen, denn damit sieht man am besten. Es besteht für mich kein Zweifel, dass das Wesentliche für das Auge im Grunde unsichtbar bleibt. Das heißt, ich werde die Ereignisse für euch fühlen und werde meinen Bauch entscheiden lassen, was der Wahrheit entspricht.
Das ist alles, was nötig ist um die Wahrheit zu erkennen. Dazu braucht es keine Bücher, keine Fakten, keine Datenbank. Das sind Dinge für Kopfmenschen. Helden sind aber keine Kopfmenschen.
Helden fühlen mit dem Herzen und entscheiden aus dem Bauch heraus. Wusstet ihr, dass in Herz und Bauch doppelt so viele Nervenenden liegen wie im menschlichen Gehirn? Schaut nach!
Aber bitte, schaut in euren Herzen nach und nicht Büchern. Euer Herz wird euch sagen, dass es stimmt.
Liebe Landsleute, Freundinnen und Freunde! Noch einmal ein -im wahrsten Sinne des Wortes- herzliches Willkommen. Natürlich werden auch noch Bilder und sonstige Features hinzugefügt werden, aber fürs erste soll es das gewesen sein. Ich freue mich auch darauf, von euch zu hören.
Hut ab!