Freitag, 19. Dezember 2008

Farewell

Wenn man beim Aufheben eines Hundstrümmerls Tränen in den Augen hat, dann kann etwas nicht stimmen. Oder man schneidet gerade Zwiebeln. Aber wer schneidet schon bei einem Spaziergang Zwiebeln? Höchstens gestresste Spitzenköche.
Kann man von einem Sonnenuntergang Abschied nehmen? Eher nicht. Auch dann nicht, wenn man das letzte Mal für eine lange Zeit den Feuerball über den Hügeln des Mount Kootha verschwinden sieht? Und der Brisbane River all die Farben der Dämmerung eines perfekten Sommertages reflektiert? Wahrscheinlich kann das nur der dauerbetrunkene Sandler ungestraft machen, der sich immer gefreut hat, wenn Toby und ich an ihm vorbei gegangen sind.
Stimmt es, wenn man sagt, man wird das alles nicht vergessen? Wird nicht der Tag kommen, an dem die Schönheit, der Genuss und die Freude der letzten Zeit als weit entfernte Erinnerung am Horizont des Gedächtnisses winkt und kaum hörbar fragt, wann man sie wieder einmal zu sich holen will? Sei es nur auf einen schnellen Kaffee.
Kann es sein, dass man aus bloßer Angst vor der Ungewissheit der Zukunft hofft, dass manche Stunde niemals kommen wird? Sollte man sich nicht besser vorbereiten? Wie geht das? Sind wir so auf Genuss programmiert, dass Herausforderungen nur noch Angst verbreiten und nicht als Chance verstanden werden? Auch wenn die einzige Chance im Scheitern besteht.
Werde ich sie vermissen, diese Tage in Brisbane und all den anderen Orten, die ich in den letzten dreieinhalb Monaten besucht habe? Die Menschen, die ich in der Zwischenzeit Freunde nennen darf? Cameron, Cathy, Melloy und Eli?
Ja.

Liebe Landsleute!

Es reicht. Es geht ans Abschied nehmen. Meine Zeit in Australien ist abgelaufen. Ich ziehe mich in die Kälte des mitteleuropäischen Winters zurück. Dies wird das letzte Mal sein, dass Ihr an dieser Stelle die Wahrheit über mich in Australien zu lesen bekommt.
Das Finale also. Lange Zeit habe ich mich gegen diesen Gedanken gewehrt, wollte nicht zulassen, Euch zu enttäuschen zu müssen. Aber wie so vieles im Leben geht alles Schöne irgendwann zu Ende. Es ist halt so.
Versteht mich nicht falsch! Ich freue mich auf die Heimat. Irgendwie. Auf Euch, liebe Heldinnen und Helden!
Ihr seid der Grund, warum ich dem Abschied aus Brisbane auch eine positive Seite abgewinnen kann.. Dennoch fällt es schwer an einem sonnigen und warmen Morgen von der Sonne aufgeweckt zu werden nur um feststellen zu müssen, dass der gepackte Rucksack einem selbst gehört und der darauf wartet zum Flughafen gebracht zu werden.
Genug davon.
An dieser Stelle –wo sonst?- möchte ich mich bei Euch, all den Heldinnen und Helden, bedanken. Vielen Dank für Euer Interesse an meinen Spinnereien, die an dieser Stelle in schriftlicher Form verewigt wurden. Ich hoffe, dass zumindest einige meiner Geschichten in der Lage waren Euch zu erfreuen oder zu erheitern. Es war sicherlich nicht immer leicht meinen Gedanken zu folgen.
Aber seid gewiss, Heldinnen und Helden, die Wahrheit wird es immer geben! Nur nicht mehr in Geschichten über einen jungen Innviertler in down under. Alles andere bleibt gleich.
Am Ende bleibt immer eine einzige Frage: Wie fühlen Sie sich?
Keine Ahnung. Kein Problem.

Und aus.

Hut ab.


P.s.: Es wäre mir eine Ehre, wenn sich die Leser dieses Blogs mit einem Kommentar im Anhang an diese Geschichte verewigen würden. Keine Verpflichtung. Und lasst mich auch wissen, ob und falls ja welche der Einträge Euch besonders gefallen haben.
Vielen Dank.

Montag, 15. Dezember 2008

Home

My name is Floximo and this is my story.
I arrived on the fourth day of September at Beattie Street, West End, Brisbane. Back then I knew that I was not going to dig a hole right away. Mostly, because it was a quite rainy day and I didn't want to leave the house.
So I sat down to my computer and started to write stories about me. Well, not just about myself, but I imagined all the exciting things that a young European lad like me could do in this - let it be written once, so everyone is happy- great country. It turned out to be quite a pain of a job because it is very hard to come up with great ideas every second day.
But I was wrong. Totally wrong. Like really wrong. Not just FourX Gold wrong, I was bitterly wrong. My mistake was to think that I actually would need to use my imagination to be able to impress my friends overseas. I never had to.
Eventually, I just had to tell the truth. The brutal and honest truth. Not just about me. Or about AUSTRALIA. No, my job was to reveal the truth about ME in AUSTRALIA.
And history will decide that I did. I began to observe myself. Me spying on me. I became a self-stalker. Nevertheless, it was not really complicated or as disturbed as some might think of it right now. It was worse.
Watching a bum 24/7 is not only boring but also very boring. I had to cope with the fact that I am one the most unmotivated persons in the world. On some days I only got up in the morning to be able to go to sleep again later.
It is relatively easy to just sit and stare if you are lazy as I am usually. Salvation was needed. And recieved.
Along came the heroes. People who made me do things. See places. Meet other people. Start living. Enjoy myself.
I call those people Heroes. After all, they are my heroes. Although I also bumped into Spiderman along the way, they all are human.
Due to their help as days turned into weeks and weeks into months people became friends and a house turned into a home. Sadly the time has come to leave. I am going home again.
Where is home? Well, home is where your heart is. Hence I am looking forward to meet up with my Austrian Heroes again, who I was reporting to via this blog, but nonetheless it is going to be heartbreaking to board the plane and leave a lot cherished people behind.
However, if something can be broke it also could be fixed. So actually, my heart is not going to be broken. It is filled with my memories of faces, events and other joyful moments that I witnessed in the last three months. And it is strong. Nobody could take this things away again. Ever.
All good things come to an end. So does this trip. I was going missing for a while. I had nothing left to lose. But I could not expect to gain so much in such a little space of time. Maybe that happens when you apply some pressure. To your life.
Thanks to everybody.
Especially to Cam, Cathy, (The) Melloy and Eli. You are my Super-Heroes!

My name is Floximo and this was my story.

Hut ab.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Hangover

Die Zivilisation in Geiselhaft. Wir bemerken es nicht mehr, wollen es sogar. Flüchten uns in die Ausreden, die vor lauter Falschheit schon wieder richtig erscheinen. "Da kann man nichts machen! Das wird halt so sein müssen." Es lebe die Revolution! Könnte jemand damit beginnen? Schnell! Ich? Habe leider keine Zeit.
Außerdem ist es hier viel zu heiß. Und was würden erst meine Freunde von mir denken? Jetzt bin ich endlich so weit und nenne über 500 Personen Freunde. Bis vor kurzem dachte ich noch, ich hätte niemals derart viele Menschen getroffen. Aber das Internet lügt mich nicht an. Deshalb habe ich 500 Freunde. Punkt. Keine Diskussion.
Meine Damen und Herren, diskutiert haben wir schon. Das Ergebnis lässt sich sicherlich sehen, aber warum wir überhaupt diskutieren mussten, verschließt sich meiner Erkenntnis. Unserer Auffassung nach hätten wir von vornherein bestimmen können, was wir wollen um uns danach zusammenzusetzen und das Ergebnis abzusegnen.
Schön langsam musst du beginnen das Ergebnis zu verwalten. Mehr wirst du sicher nicht mehr bekommen, also lass diese Angriffe und konzentriere dich auf das Wesentliche. Frag mich jetzt bitte nicht was das sein soll! Solche Fragen wollen wir hier nicht gestellt bekommen. Du und wie viele von deinen Freunden wollen denn das wissen?
Der eine da drüben, der weiß so ziemlich alles. Finde ich. Der schaut schon so gescheit aus. Sein Lächeln kann auch was. Den will ich. Nein, interessieren tut mich der gar nicht, aber so vom Auftritt her, ein pfundiger Bursch. Manchmal ist das eh gescheiter. Gar nicht lange suchen, einfach den nehmen, den man dir aufs Auge drückt.
Der Druck auf mich steigt unaufhörlich. Ich habe keine Ahnung, was ich will und was ich kann. Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen das kann bald ein jeder, aber wenn es wirklich hart auf hart kommt, dann nichts wie weg. Wissen wir schon. Ist immer schon so gewesen. Da braucht man erst gar nicht lange herum zu spekulieren. Man nimmt das und dann hat es sich.

Und ich stehe da, schwitze und frage mich wie ich aus dem ganzen herauskommen könnte. Die Inspiration scheint gegangen zu sein. Unsicherheit und Leere macht sich in mir breit. In einer Woche heißt es von hier Abschied nehmen. Ich will und kann nicht sagen, wie ich das finden soll. Aber egal.
Eine leere Flasche Wein lacht mich in der Erinnerung an den gestrigen Abend aus. Sie trommelt auf den Bongos meines Kopfes und hat sichtlich Spaß dabei. Ob ich will oder nicht, ich werde zuhören müssen. Wir begehen den größten Blödsinn, nur um einen Tag später festzustellen, dass die Freude eine vergiftete war. Das hat mit Erwachsenwerden nichts zu tun. Hauptsache man findet einen Grund und ergibt sich diesem völlig.
Ich habe meine Widerstandskraft bei der Haustüre gelassen und saufe mir den Schädel klein. Am Ende kommt so etwas dabei raus.
Und manche müssen damit leben.


Hut ab.

Sonntag, 7. Dezember 2008

Analysis

Wieder einmal: Pariasek Rainer und Thomas Sykora aus Brisbane.

RainerP.: Herzlich Willkommen, meine Damen und Herren! Die Entscheidung ist gefallen. Leider gibt es keinen österreichischen Sieg zu vermelden, aber immerhin ein zweiter Platz ist es geworden. Denn der Sieg im heutigen Vor-dem-Fernseher-einschlafen-Wettbewerb in der Beattie-Street-Klasse geht an das Veranstalterland, Australien. Auch im Jugendbereich und im Frauenwettbewerb gab es ausschließlich Siege für Australier.
Wir wollen nun die Herren-Entscheidung analysieren, die nicht von dem haushohen Favoriten Cameron Murray entschieden wurde, sondern der Sieg ging unerwartet an den Außenseiter Paul Melloy.
Bei mir steht jetzt der Thomas Sykora, der ja sonst nichts zu tun hat, und uns deshalb bei der Aufarbeitung des Rennens helfen wird. Grüss Sie, Sykora Thomas!
Sykora,T.: Ja danke, Rainer. Es freut mich sehr, dass ich gemeinsam mit Ihnen, liebe Zuschauerrinnen und Zuschauer, diesen ungemein spannenden Wettkampf analysieren darf. Mir war schon wirklich gescheit fad daheim. Also auf geht's!
RainerP.: Ein Wort zu den Bedingungen?
Sykora,T.: Gut.
RainerP.: Aha.
Sykora,T.: Nun, man kann durchaus von fairen Bedingungen sprechen. Das Fernsehprogramm war ausgesprochen anspruchslos und die Starter haben sich relativ schnell auf eine Sendung geeinigt. Die Abstimmung hat also gepasst. Eine Dokumentation, also nicht unbedingt schwierig dabei einzuschlafen. Keiner hatte einen Vorteil, hat sie schon einmal gesehen oder war speziell gelangweilt.
RainerP.: Die Beginnzeit war kein Problem? Immerhin haben sie schon um halb neun angefangen.
Sykora,T.: Möchte man meinen. Aber die Burschen waren gut vorbereitet, müde und satt, das war kein Problem. Und wie man an der Siegerzeit sehen kann, sind sie nur ganz knapp am Weltrekord vorbeigeschrammt.
RainerP.: Dieser wird nach wie vor von Vizekanzler Josef Pröll gehalten. Zwar wird die Regularität davon angezweifelt, denn Pröll ist damals bei einer von ihm gehaltenen Rede eingeschlafen...
Sykora,T.: ...Aber der Rekord steht.
RainerP.: Kommen wir zum Drittplatzierten! Cameron Murray ist als haushoher Favorit ins Rennen gegangen. Schlussendlich aber geschlagen. Woran lag es?
Sykora,T.: Nun, der Cameron ist sicherlich ein guter Früh-zu-Bett-Geher, aber vor dem Fernseher zeigt er durchaus noch Schwächen. Wie man auch gesehen hat, hat er vergessen eine angenehme Sitz- beziehungsweise Liegeposition einzunehmen. Dazu hat er nebenbei gelesen. Damit hat er sich die eine oder andere Minute Schlafenszeit geraubt. Und bei einem so schnellen Rennen wie gestern, muss schon alles zusammenpassen, damit man am Ende als Erster flachliegt. Hat nicht sollen sein für den Murray. Dennoch für mich ist er weiterhin der am Ausgeglichenste in allen Disziplinen. Außerdem der Konstanteste. Für die Gesamtwertung bleibt er mein Favorit. Auch wenn er gestern geschlagen wurde.
RainerP.: Immerhin ist er im Besitz der "Roten Augen", dem Zeichen für den Führenden in der Gesamtwertung.
Aus österreichischer Sicht erfreulich, der zweite Rang von Zillner Florian. Aber, wir haben schon ein bisserl spekuliert, es könnte auch ein Platz weiter vorne werden. Woran ist er letztenendlich gescheitert?
Sykora,T.: Um ganz oben zu schlafen, muss einfach alles passen. Training, Abstimmung und die Liegepositionen. Ich persönlich hätte an seiner Stelle wohl noch die eine oder andere Nacht mehr durchgemacht. Er ist aber nach Sydney und ein paar ordentlichen Räuschen und einer daraus resultierenden Übernachtigkeit in den letzten zwei Nächten etwas leiser getreten.
RainerP.: Ein Fehler, wie man jetzt sehen kann?
Sykora,T.: Schwer zu sagen. Jedenfalls war es nicht ausschlaggebend. Müde war er ja, keine Frage. Nur hat er bei seiner Liegeposition kleine Fehler eingestreut. Das hat sich gerächt. Ein Bein in der Waagrechten, während das andere auf dem Boden stand. Klassischer Inneneinschläfer-Fehler, falsche Körperhaltung, kerzengerade auf dem Rücken gelegen. Da kann man schwer einschlafen. Und gegen einen überragenden Melloy war damit nichts zu holen. Trotzdem Respekt, klasse Leistung.
RainerP.: Und wer diesen jungen Mann kennt, der weiß, dass er sicher nicht das letzte Mal auf einer Couch eingeschlafen ist.
Sykora,T.: Ein wirklich großes Talent! Ich habe mich mit seinen Betreuern, Bier Brauer und Binge Drinker, unterhalten. Die haben gemeint, sie haben schon lange keinen mehr gesehen, dem beim Gehen die Füße und beim Reden das Gesicht einschläft. Ein Jahrhunderttalent, geschlagen nur um einen Hauch.
RainerP.: Womit wir beim Sieger angekommen wären. Viele haben ihn nicht auf der Rechnung gehabt, aber offensichtlich ein müder Krieger. Paul Melloy, Sieger! Verdient, Thomas?
Sykora,T.: Es gewinnt immer der, der als erster einschläft! Und der Melloy hat einfach alles richtig gemacht. Zunächst ist der zwei Nächte nacheinander gescheit fort gegangen. Dann hat er sich richtig von der Hitze erschlagen lassen und dann war auch noch laufen. Da hat sich abgezeichnet, dass er heiß auf den Sieg war. Gleichzeitig hat er die größte Couch bezogen, sich der Länge drauf gelegt und von Anfang hat er dem Programm kaum Beachtung geschenkt. Ein verdienter Sieger.
RainerP.: Vielen Dank, Thomas. Unsere Sendezeit ist leider vorbei. In Kürze folgt der Club 2. Heute mit dem spannenden Thema:" Kann ein Emo nur eine Schnitte als Freundin haben?"
Sykora,T.: Traurig.

Und wenn sie noch nicht aufgestanden sind, dann schlafen sie noch immer.

Hut ab.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Universal

Sydney kennt drei Gruppen von Menschen.
Erstens: Die Schönen.
Zweitens: Die Nicht-Schönen.
Und die dritte Gruppe bilden die Schiarchen.
Jetzt verhält es sich mit der Schönheit ja so, dass jeder etwas anderes für schön, nicht-schön oder schiarch hält. Geschmack liegt im Auge des Betrachters, quasi. Dieses Prinzip gilt auch für die Bevölkerung und Besucher dieser Stadt. Und im Grunde für die Stadt selber.
Auch in Sydney gibt es schöne, nicht-schöne und schiarche Stadtteile. Welche was sind, muss der Besucher für sich selber entscheiden. In der kurzen Zeit, die ich bis jetzt in der Stadt verbracht habe, habe ich eher nur die Zuckerseiten der Stadt kennen lernen dürfen. Denn eines muss man der Stadt zugestehen. Sie hat Charme. Damit sei aber nicht unbedingt nur die Innenstadt gemeint. Natürlich bietet die einiges. Angefangen von den bekannten Bauwerken, wie der Oper, Harbour Bridge oder dem Sydney Tower, alles da. Speziell, wenn man das alles auf einmal überblicken kann. Das geht am besten bei einer Fahrt mit der Fähre von Manly aus direkt zum Circular Quay am Fuße der Innenstadt. Aussicht, sagenhaft.
Dennoch macht das Zentrum die Stadt nicht zu dem was sie ist. Es gibt mehr. Eigentlich Meer. Die Stadt liegt gemütlich an zahlreichen Sandstränden, allesamt kleine Buchten. Zumindest die schönen Bezirke. Bis jetzt kenne ich nur die. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass man hier alles auf einmal geboten bekommt. Großstadtflair, Strandkultur und Meer.
Überall ist der Strand ein wenig anders. Aber immer grandios gemütlich und das Meer einsprungbereit. Um einen heimatlichen Vergleich anstellen zu können, müsste Wien am Arlberg liegen.
Darin liegt auch das Problem. Die Menschen hier wollen der Stadt gerecht werden. Alle wollen sie schön sein. Wie schon gesagt, liegt Schönheit im Auge des Betrachters. Sie ist objektiv nicht wirklich feststellbar. Deshalb muss man sich auf das eigene Gefühl verlassen. Um schön zu sein, muss man sich schön fühlen. Selbstvertrauen an den Tag legen. Für die meisten kein Problem, weg mit dem Leiberl, Sommerkleid oder was den Blick auf halbnackte Körper verstellt und dann wird präsentiert auf Teufel komm raus. So gesehen am Bondi Beach, der größten Selbsttherapiegruppe der Welt.
Normal geht da nichts. Da gehört man schon wieder zu den Nicht-Schönen. Dabei handelt es sich um Personen, die ihr Aussehen anders bewerten, aber inneren Werten hochhalten und sich gegenüber den Schönen höherwertig fühlen. Dafür sie sind einfach nicht schön genug um die Sprache der Liebe sprechen zu können.
Nicht-Schöne Menschen don't get laid. Nirgends wird das so deutlich wie in Sydney. Es tut mir leid für alle, aber so ist es nun einmal. Wer will einen schon reden zuhören, wenn nebenan einer seinen Bizeps anspannt und sein Leiberl zerreißt? Schönen Menschen vergibt man so ziemlich alles. Gestammel, Minderintelligenz und schwache Gesprächsführung. Gerade deshalb ist dieser Zustand so erstrebenswert.
Außen hui, innen pfui. Macht nichts, gemma schmusen. So ungefähr.
Gerade das ist das schöne an Sydney. Jeder hat die Chance so zu werden. Die universale Sprache der Liebe zu verwenden.
Objektiv geht’s dabei nicht zu. Alles geht!
Außer man ist wirklich schiarch. Dann leider nicht.


Hut ab.

Montag, 1. Dezember 2008

Lost

Die Stadt hat sich verändert. Ich erkenne hier nichts wieder. Mir ist schon klar, dass so etwas gerne gesagt wird, wenn jemand glaubt besonders tiefsinnig über seine Gefühle reden zu müssen. „Ich erkenn hier nichts wieder, weil, weil die Menschen plötzlich so anders dreinschauen und der Himmel leuchtet in total krassen Farben und so. Ich fühle die Vibrationen der Lebewesen ganz deutlich. Die Häuser, sie sprechen zu mir“, sagen solche Leute dann. Hippie-Schauer!
Mein Problem ist tatsächlich der Umstand, dass ich den Ort nicht kenne. Dabei war ich der Meinung Brisbane inzwischen gut zu überblicken. Sicherlich, die Außenbezirke sind spanische Dörfer verblieben, aber ansonsten innenstadtmäßig, hielt ich mich für einiger Maßen sattelfest.
Und jetzt das! Seit Stunden irre ich umher. Bin verloren zwischen gewaltigen Wolkenkratzern. Die Schluchten, die sich zwischen ihnen auftun, durchschreite ich hilflos und meine Augen wandern stetig auf der Suche nach einem Anhaltspunkt umher. Es ist zum Verzweifeln. Ich kenne mich nicht mehr aus.
Ganz ruhig! Durchatmen! Normalerweise gibt es für alles immer eine Erklärung. Doch mein Gefühl sagt mir, dass da was nicht stimmt. Stimmen kann. Also, träumen tue ich nicht. Ein freundlicher, mit Steroiden vollgepumpter Mann war so hilfsbereit und hat mir ordentlich eine paniert um das herauszufinden. Eigentlich wollte er wissen, ob ich nach einem brachialen Fausthieb sein Aussehen noch immer lächerlich finde. Ja schon, aber ich werde wohl in Zukunft Abstand davon nehmen ihm das ins Gesicht zu sagen.
Egal. So weiß ich wenigstens, dass die Antwort auf meine Orientierungslosigkeit in der Realität zu suchen ist. Am geschicktesten wäre es wohl die Orte aufzusuchen, von denen aus ich die Beattie Street im Schlaf oder Rausch problemlos finde. In meiner Heimat wäre das besonders leicht. Kirche, Raika, Kirchenwirt. Allerdings gibt es kein Churchpub in Brisbane.
Deshalb Plan B. Offenbar befinde ich mich ganz nahe am Wasser, sprich dem Fluss. Gut so. Von dort finde ich immer heim. Nichts wie hin! Und ja, da ist Wasser. Aber es scheint irgendwie kein Fluss zu sein, sondern mehr eine meeresartige Bucht. Komisch. Es schaut echt schön aus, die Anlage mit Geschäften, Bars und anderen Vergnügungslokalitäten, aber wie um alles in der Welt bin ich daran bis jetzt vorbeigelaufen. Gibt’s ja nicht. Langsam aber sicher beginne ich an mir selbst zu zweifeln.
Und diese Zweifel werden nicht unbedingt kleiner, nachdem ich beim Weitersuchen plötzlich eine riesige Brücke entdecke, die quer über den Hafen gespannt ist. Brücke? Hafen? Häh? Keine Ahnung, was das soll. Im Zweifelsfalle sollte man immer weiterrennen. In meinem Fall davon rennen. Ich habe Angst. Ich bin verloren, will nach hause, würde mich einfach auf der Couch verstecken und nie mehr aus dem Haus gehen.
Aber wo ist dieses Haus? Apropos Haus. Jetzt stehe ich gerade vor einem. Es kommt durchaus bekannt vor. Bitte, was soll das sein? Eine Oper? Also mit all diesen muschelartigen Dachelementen könnte man das leicht für einen Fischmarkt oder sonst was halten. Aber Oper? Lächerlich. Allerdings bemerke ich, dass ich wohl der einzige bin, der das komisch findet. Zu Hunderten stehen Europäer davor und lassen sich vor diesem imposanten, aber wirklich sinnlosen Gebäude ablichten. Die Fotos möchte ich sehen.
Werde ich wohl eher nicht. Stattdessen laufe ich weiter. George Street. Ja, so eine gibt es Brisbane, also befinde ich mich auf dem richtigen Weg. Und so stehe ich auch zwangsläufig vor den Three Monkeys. Hurra, ich bin gerettet.
Nicht lange. Denn das Lokal haben sie ausgebaut, auf drei Stockwerke. Anstatt Kaffee servieren sie jetzt Bier. Habe ich da etwa was nicht mitbekommen? Wahrscheinlich, liegt doch meine Aufmerksamkeitspanne jenseits von Gut und Böse. Dafür habe ich meinen Bierkonsum gesteigert und den bedienen die Leute im neuen Three Monkeys ohne mit der Wimper zu zucken. Recht so! Aber nach West End schaut das hier auch nicht wirklich aus.
Drei Biere später hat sich die Situation noch nicht grundlegend verändert. Nur, dass sie mir ein bisschen mehr Wurst ist. Trotzdem würde ich gern als bald nach Hause kommen, wenn das möglich wäre. Dem scheint nicht so zu sein.
Ich will aber nicht mehr weiter trinken. Ich will ein Bett und Schlaf. Das ist doch nicht zu viel verlangt! Die Straßen ergeben weiterhin keinen Sinn und so beende ich den Part des Suchenden und lasse mich verzweifelt, aber auch genauso trotzig auf den Stufen vor der Town Hall nieder. Brisbane, ich erkenn dich nicht wieder. Und diese Weihnachtsbeleuchtung für das Rathaus ist der letzte Dreck. Oder Kitsch. Je nach dem.
Gerade als ich mich damit abzufinden beginne, dass ich den heutigen Filmabend in der Beattie Street verpasst habe, taucht plötzlich aus dem nichts jemand auf. Bei näherem Hinsehen erkenne ich diese Person sogar. Das ist, das ist .... das ist der Karl! Wahnsinn! Eh Karl, wie geht’s? Schön dich zu sehen! Du, hier in Bris....
„Welcome to Sydney!“
Danke, Karl.
Und wo ist jetzt die Beattie Street?


Hut ab.