Die Zivilisation in Geiselhaft. Wir bemerken es nicht mehr, wollen es sogar. Flüchten uns in die Ausreden, die vor lauter Falschheit schon wieder richtig erscheinen. "Da kann man nichts machen! Das wird halt so sein müssen." Es lebe die Revolution! Könnte jemand damit beginnen? Schnell! Ich? Habe leider keine Zeit.
Außerdem ist es hier viel zu heiß. Und was würden erst meine Freunde von mir denken? Jetzt bin ich endlich so weit und nenne über 500 Personen Freunde. Bis vor kurzem dachte ich noch, ich hätte niemals derart viele Menschen getroffen. Aber das Internet lügt mich nicht an. Deshalb habe ich 500 Freunde. Punkt. Keine Diskussion.
Meine Damen und Herren, diskutiert haben wir schon. Das Ergebnis lässt sich sicherlich sehen, aber warum wir überhaupt diskutieren mussten, verschließt sich meiner Erkenntnis. Unserer Auffassung nach hätten wir von vornherein bestimmen können, was wir wollen um uns danach zusammenzusetzen und das Ergebnis abzusegnen.
Schön langsam musst du beginnen das Ergebnis zu verwalten. Mehr wirst du sicher nicht mehr bekommen, also lass diese Angriffe und konzentriere dich auf das Wesentliche. Frag mich jetzt bitte nicht was das sein soll! Solche Fragen wollen wir hier nicht gestellt bekommen. Du und wie viele von deinen Freunden wollen denn das wissen?
Der eine da drüben, der weiß so ziemlich alles. Finde ich. Der schaut schon so gescheit aus. Sein Lächeln kann auch was. Den will ich. Nein, interessieren tut mich der gar nicht, aber so vom Auftritt her, ein pfundiger Bursch. Manchmal ist das eh gescheiter. Gar nicht lange suchen, einfach den nehmen, den man dir aufs Auge drückt.
Der Druck auf mich steigt unaufhörlich. Ich habe keine Ahnung, was ich will und was ich kann. Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen das kann bald ein jeder, aber wenn es wirklich hart auf hart kommt, dann nichts wie weg. Wissen wir schon. Ist immer schon so gewesen. Da braucht man erst gar nicht lange herum zu spekulieren. Man nimmt das und dann hat es sich.
Und ich stehe da, schwitze und frage mich wie ich aus dem ganzen herauskommen könnte. Die Inspiration scheint gegangen zu sein. Unsicherheit und Leere macht sich in mir breit. In einer Woche heißt es von hier Abschied nehmen. Ich will und kann nicht sagen, wie ich das finden soll. Aber egal.
Eine leere Flasche Wein lacht mich in der Erinnerung an den gestrigen Abend aus. Sie trommelt auf den Bongos meines Kopfes und hat sichtlich Spaß dabei. Ob ich will oder nicht, ich werde zuhören müssen. Wir begehen den größten Blödsinn, nur um einen Tag später festzustellen, dass die Freude eine vergiftete war. Das hat mit Erwachsenwerden nichts zu tun. Hauptsache man findet einen Grund und ergibt sich diesem völlig.
Ich habe meine Widerstandskraft bei der Haustüre gelassen und saufe mir den Schädel klein. Am Ende kommt so etwas dabei raus.
Und manche müssen damit leben.
Hut ab.
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vor 4 Jahren
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