Mittwoch, 3. Dezember 2008

Universal

Sydney kennt drei Gruppen von Menschen.
Erstens: Die Schönen.
Zweitens: Die Nicht-Schönen.
Und die dritte Gruppe bilden die Schiarchen.
Jetzt verhält es sich mit der Schönheit ja so, dass jeder etwas anderes für schön, nicht-schön oder schiarch hält. Geschmack liegt im Auge des Betrachters, quasi. Dieses Prinzip gilt auch für die Bevölkerung und Besucher dieser Stadt. Und im Grunde für die Stadt selber.
Auch in Sydney gibt es schöne, nicht-schöne und schiarche Stadtteile. Welche was sind, muss der Besucher für sich selber entscheiden. In der kurzen Zeit, die ich bis jetzt in der Stadt verbracht habe, habe ich eher nur die Zuckerseiten der Stadt kennen lernen dürfen. Denn eines muss man der Stadt zugestehen. Sie hat Charme. Damit sei aber nicht unbedingt nur die Innenstadt gemeint. Natürlich bietet die einiges. Angefangen von den bekannten Bauwerken, wie der Oper, Harbour Bridge oder dem Sydney Tower, alles da. Speziell, wenn man das alles auf einmal überblicken kann. Das geht am besten bei einer Fahrt mit der Fähre von Manly aus direkt zum Circular Quay am Fuße der Innenstadt. Aussicht, sagenhaft.
Dennoch macht das Zentrum die Stadt nicht zu dem was sie ist. Es gibt mehr. Eigentlich Meer. Die Stadt liegt gemütlich an zahlreichen Sandstränden, allesamt kleine Buchten. Zumindest die schönen Bezirke. Bis jetzt kenne ich nur die. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass man hier alles auf einmal geboten bekommt. Großstadtflair, Strandkultur und Meer.
Überall ist der Strand ein wenig anders. Aber immer grandios gemütlich und das Meer einsprungbereit. Um einen heimatlichen Vergleich anstellen zu können, müsste Wien am Arlberg liegen.
Darin liegt auch das Problem. Die Menschen hier wollen der Stadt gerecht werden. Alle wollen sie schön sein. Wie schon gesagt, liegt Schönheit im Auge des Betrachters. Sie ist objektiv nicht wirklich feststellbar. Deshalb muss man sich auf das eigene Gefühl verlassen. Um schön zu sein, muss man sich schön fühlen. Selbstvertrauen an den Tag legen. Für die meisten kein Problem, weg mit dem Leiberl, Sommerkleid oder was den Blick auf halbnackte Körper verstellt und dann wird präsentiert auf Teufel komm raus. So gesehen am Bondi Beach, der größten Selbsttherapiegruppe der Welt.
Normal geht da nichts. Da gehört man schon wieder zu den Nicht-Schönen. Dabei handelt es sich um Personen, die ihr Aussehen anders bewerten, aber inneren Werten hochhalten und sich gegenüber den Schönen höherwertig fühlen. Dafür sie sind einfach nicht schön genug um die Sprache der Liebe sprechen zu können.
Nicht-Schöne Menschen don't get laid. Nirgends wird das so deutlich wie in Sydney. Es tut mir leid für alle, aber so ist es nun einmal. Wer will einen schon reden zuhören, wenn nebenan einer seinen Bizeps anspannt und sein Leiberl zerreißt? Schönen Menschen vergibt man so ziemlich alles. Gestammel, Minderintelligenz und schwache Gesprächsführung. Gerade deshalb ist dieser Zustand so erstrebenswert.
Außen hui, innen pfui. Macht nichts, gemma schmusen. So ungefähr.
Gerade das ist das schöne an Sydney. Jeder hat die Chance so zu werden. Die universale Sprache der Liebe zu verwenden.
Objektiv geht’s dabei nicht zu. Alles geht!
Außer man ist wirklich schiarch. Dann leider nicht.


Hut ab.

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