Dienstag, 30. September 2008

Awareness

Dieses Phänomen kennt jeder, der in Österreich einem Wintersport nachgeht. Nicht unbedingt die Langläufer unter euch, zumindest die Klassischen nicht. Aber all diejenigen, die am Berg sporteln, sei es auf ein oder zwei Brettern, werden sich schon des öfteren über diese Anfängergruppen geärgert haben. Irgendwie scheinen die immer dort die Piste kreuzen zu wollen, wo man gerade selbst die perfekte Linie erspäht hat. Außerdem liegt ständig zumindest einer von diesen Schauern herum und versperrt den Weg zum nächsten Sprung. Und man weiß genau, dass dieser Sprung der beste Satz gewesen wäre, den man jemals in den Schnee gezaubert hätte.
Irgendwann erreicht man den Punkt, wo man nach Rache sinnt. Gestürzte- aber unverletzte- Pistenblockierer ordentlich einstaubt, mutwillig die Spur des Schilehrers kreuzt, sodass die Gruppe unfreiwillig aufeinander zum Halten kommt oder einfach den eigenen Schistock dazu verwendet die Bestandskraft des Helmes eines Touristen bei einem Aufprall zu testen. Zusammengefasst will ich damit sagen, dass man solchen Anfängern nicht unbedingt freundlich gesinnt ist und sie am liebsten aus dem Schigebiet jagen würde.
Doch, liebe Landsleute, es gibt einen Ort, an dem man in diesem Zusammenhang eines gelehrt bekommt, nämlich Demut. Dieser Ort ist der Strand von Byron Bay. Hier lernt man, was es bedeutet, etwas zu versuchen, das nicht wirklich in der Natur einer Person liegt. Wie es ist, wenn man sich zum Affen macht, in dem Versuch etwas zu probieren, das andere schon ihr ganzes Leben können.
Derartige Demut überkam mich an dem heutigen Tag, als ich am Nachmittag in einem etwas zu engen Wetsuit steckend in meiner ersten Surfstunde von den Surflehrern immer und immer wieder in die nächste Welle geschubst wurde und es immer und immer wieder nicht zusammenbrachte auf dem Brett aufzustehen und tatsächlich zu surfen. Ich war unfähig, im Schneepflug eine Miniwelle zu reiten., wie schauerlich. Am Ende habe ich es dann doch irgendwie zusammengebracht und bin eine Wille geritten. Gewissermaßen habe ich den Babylifthang bezwungen. Frage nicht, wie.
Meine Coaches meinen, es bestünde Luft nach oben. Das heißt, ein langer, steiniger, mit Salzwasser getränkter Weg liegt noch vor mir. Gut bin ich nämlich überhaupt nicht. Am Ende waren der Troy und der Mick zwar schon zufrieden, aber morgen geht’s auf die blaue Piste und das ist eben ein Sprung hinauf auf der Schwierigkeitsskala.
Eines will ich trotz der Plagerei nicht, aufgeben. Irgendwo stand einmal geschrieben:“ Aufgeben tuat ma an Briaf!“ Richtig. Außerdem habe ich den ganzen Dreitageskurs auch schon bezahlt. Jetzt das Unternehmen abzubrechen wäre für die Gesamtsituation nicht förderlich.
Nichtsdestotrotz sitze ich geschafft, aber umso zufriedener auf dem Balkon des Great Northern Hotels, meiner Unterkunft, und schreibe in den Sonnenuntergang hinein. Trinke Bier, höre laut Musik und genieße den anbrechenden Abend. Einkehrschwung auf Australisch.
Aber da brauchst du den meisten Anfängern eh nichts beizubringen. Das können sie meist von allein. Und ob Schirmbar oder Strandbar ist dann auch schon egal. Morresy oder DJ Ötzi, was solls? Hauptsache keine langen Unterhosen!
Obwohl ein bisschen frisch ist es jetzt schon.

Hut ab.

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