Mittwoch, 10. September 2008

Biorhythmus

Es gibt viele Fragen, auf die man keine richtige Antwort geben kann. Oft will man an einen gestellte Fragen nicht beantworten und manchmal weiß man die Antwort einfach nicht. Um bei der Wahrheit zu bleiben- und schließlich ist dieser Blog die Wahrheit- bin ich hierher nach Australien gekommen, um einige Fragen für mich schlüssig zu beantworten.
Seit genau einer Woche tickt also die Uhr. Sekunden, Minuten, Stunden und auch Tage vergehen und sie scheinen mir unaufhörlich die selben Fragen zu stellen. "Warum ist er denn hier?", " Was will er denn machen?", "Lässt er sich tatsächlich einen Bart wachsen?".
Was letzteres betrifft kann ich die Antwort verraten. Eher nicht. Im Grunde bin oder war ich zu faul mich ernsthaft mit einer Gesichtshaarberichtigung zu beschäftigen.

Zum wesentlichen. Es tut sich bei mir nicht viel. Das ist gut so. Ich lebe in den Tag hinein. Stehe auf um wieder ins Bett gehen zu können. Dazwischen genieße ich die trügerische Stille, die das Leben eines Flüchtlings ( vor den Bedrohungen des Erwachsenwerdens) hier in Brisbane, Australien, mit sich bringt. Dennoch gibt es soetwas wie einen geregelten Tagesablauf. Dies ist allein meinem Biorhythmus geschuldet, der seltsamerweise noch immer auf dem österreichischen Betriebsystem läuft. Bei acht Stunden Zeitverschiebung eigentlich nicht praktisch. Das ist kein Jetlag. Es handelt sich viel mehr um eine Weigerung meines Körpers die neu geschaffenen Realitäten anzuerkennen.
Wir gehen zwar Kompromisse ein, der Biorhythmus und ich. Er lässt mich nachts durchschlafen und gegen acht Uhr munter werden, sodass ich wenigstens mit meinen Hausbewohnern frühstücken kann, bevor die sich meist in Richtung Uni, Arbeit oder der Arbeit an der Uni verabschieden. Danach bin ich mit dem jüngsten Bewohner der Beattie Street, Eli, seiner Mom Cathy und dem Hund Toby allein. Um nicht sofort wieder in einen komatösen Schlaf zu fallen, gestalte ich meine Tage ( und es wird hier um sechs Uhr abends dunkel) mit Spaziergängen und Internetrecherchen, bevor ich gegen vier zum ersten Mal den Anstregungen Tribut zolle und das erste powernapping einschiebe. Um der Qualität des australischen Fernsehprogramms gerecht zu werden schlafe ich dann auch bei diesem ein und wenn dann per einstimmigen Beschluss ein Film geschaut wird, bekomme ich von diesem auch meist nicht mehr als die ersten zehn Minuten mit.
So zieht sich das alles hin. Wunderbar. Natürlich erlebe ich auch spannende Dinge. Am Sonntag um halb sieben bin ich mit 30000 anderen Verrückten einen 10 km Funrun gelaufen. Unter einer Stunde. Was mir auch gleich den Sieg in der inoffizielen Österreicherwertung eingebracht hat. Ich habe Kängurus gefüttert und Koalabären beneidet. Koalas trinken nämlich nicht. Und ihre Trägheit rührt daher, weil sie ständig Eukalypthus fressen und der beruhigt ungemein. Am liebsten hätte ich mich zu diesen pelzigen Chillout-Chefs an den Baum gehängt, aber im teilen sind diese nicht unbedingt Weltmeister.
Apropos Weltmeister. Litauen ist nicht Lettland. Leider. Dafür haben die Socceroos die Hundskicker aus Usbekistan besiegt und diesem Drecksland die Grenzen aufgezeigt. Nieder mit Usbekistan.
Entschuldigt, aber meine Eukalypthus-Dosis lässt nach, ich werde mir wohl ein Lunch besorgen müssen.
Bis dahin. Hut ab.

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