Wenn man, so wie ich, in diesen Tagen durch die Innenstadt von Brisbane läuft, kann man eines feststellen. Die Stadt wächst. Mit enormer Geschwindigkeit. Wohin man seinen Blick auch wendet, überall ragen Baukräne in die Höhe und stopfen weitere Hochhäuser in die Skyline der City. Ein Name, der mit der rasanten Entwicklung eng verbunden ist, ohne den dieser Boom gar nicht erst möglich gewesen wäre, ist der Name Hutchinson. Es scheint beinahe so als würde jede Baustelle von diesem Queensländer Traditionsunternehmen betrieben.
Aus diesem Grund folgt nun eine kurze Biographie über den Firmengründer von Hutchinson, den legendären LLoyd Hutchinson.
LLoyd Hutchinson wurde am 26.Juni 1889 geboren. Sein Vater, Garry Hutchinson, der Erbe eines großen schottischen Schafszuchtvermögens, war zehn Jahre zuvor nach Australien ausgewandert. Garry Hutchinson galt als strenggläubiger und gottesfürchtiger Mensch, der ein Gebot partout nicht einhalten konnte bzw. wollte. Monogamie. Aus diesem Grund verließ er auch schweren Herzens seine Heimat, weil er gehört hatte, dass die Vielweiberei auf dem neu entdeckten Kontinent nicht verboten sei.Jedoch justament an dem Tag als sein Schiff im Hafen von Sydney eintraf, wurde die Polygamie in New South Wales von der Regierung untersagt. Deshalb zog Garry Hutchinson mit seiner "offiziellen" Ehefrau, der gebürtigen Französin Claire de Beauclaire, nach Norden, genauer nach Queensland, und ließ sich in der Stadt Multiloversville, dem heutigen Toowong, häuslich nieder. Dort verbrachte er den Rest seines Lebens mit Alkohol, häuslicher Gewalt und dem täglichen Kirchgang. Meist beließ er es auch bei dieser Reihenfolge. Er starb 1924.
Claire Hutchinson stammte aus dem Hause eines calvinistischen Pastors in Toulon und hatte den ungestümen Garry bloß aus Trotz gegenüber ihrem herrschsüchtigen Vater geheiratet. Aber nichtsdestotrotz liebte sie ihn. Zumindest liebte sie dessen Geld, das nie zu zu versiegen schien. Artig gebar sie ihm 4 Söhne, von denen Lloyd der Drittälteste war.
Weder Garry noch Claire waren in der Lage oder gewillt eine innige Beziehung zu ihrer Brut- wie sie die Früchte ihrer körperlichen Liebe zu nennen pflegten- aufzubauen. Deshalb war das einzige Geschenk, das Lloyd jemals in seiner Kindheit erhielt, eine Schaufel gewesen. Diese Schaufel liebte der schmächtige Bub vom ersten Tage an so sehr, als ob er zu wissen schien, dass diese Schaufel den Verlauf seines Lebens auf immer bestimmen würde. Die Schaufel und er waren unzertrennlich. Selbst in die Schule nahm er sie mit, wo ihm der deutsche Lehrer auf Grund gewisser Probleme beim Rezitieren von Goethes "Faust" Legasthenie attestierte. Diese Lese- und Schreibschwäche verhinderte LLoyds Einsatz im ersten Weltkrieg, in dem all seine Brüder fielen.
Seit dem Tag an dem Lloyd seine Schaufel bekommen hatte, grub er Löcher. Kleine Löcher, große Löcher, Löcher im Sandboden, Löcher in Schotterböden. Jeden Tag ein Loch, so lautete sein Motto. Ihm war klar, dass er bis an sein Lebensende Löcher buddeln wollte. Etwas anderes konnte er sich nicht vorstellen.
Nachdem die Hand seines Vaters von der Gicht verkrüppelt worden war, suchte sich Lloyd eine Frau fürs Leben und fand sie in der deutschen Bierkutscherstochter, Maria Schwarzenbeck. Sie war fasziniert von dem Ehrgeiz des jungen Grubengräbers, der eine Zeit lang nur noch in ihrem Garten Löcher aushob um ihr auf eine naive Art und Weise seine Liebe darzubringen. Schließlich gab sie seinem Werben nach und 1921 das Ja-Wort. Bald darauf zogen sie weiter nach Brisbane.
Allerdings stellte Maria eine Bedingung an ihren neuen Ehegatten. LLoyd sollte seine Fähigkeiten dazu nutzen um der Familie ein Einkommen zu sichern. Die Idee, Geld für das Lochbuddeln zu erhalten, gefiel Lloyd so sehr, dass er bald darauf am örtlichen Firmenamt stand um sein Unternehmen anzumelden. Der Name sollte ursprünglich " The Bloody Awesome Hole Diggers" lauten. Auf Grund seiner Legasthenie und seinem übersteigerten Schamgefühl verwechselte Lloyd beim Ausfüllen des Unternehmensgründungsformulars die Zeilen für den Firmennamen mit denen für den Familiennamen und so hieß sein Lochaushubsunternehmen von nun an Hutchinson. So wie er.
Da es mit diesem Firmennamen praktisch unmöglich geworden war anständige Aushubaufträge an Land zu ziehen, musste LLoyd auf Ratschlag seiner Ehefrau seinen Tätigkeitsbereich erweitern und er begann die von ihm gegrabenen Löcher mit Häusern zu füllen, die er dann an interessierte Kunden weiterverkaufte. Er selbst buddelte weiterhin seine Löcher ( für die Häuser hatte er Architekten angestellt), wer, was, wie damit anstellte, blieb für ihn immer uninteressant. Hauptsache war, er und Maria hatten genug Einkommen für Haus, Kinder und Aborginiesklaven.
1943 übergab er das Geschäft an seine beiden Söhne John und Hans, die den Erfolg des Unternehmens vorantrieben, bis zu dem Punkt, wo es sich heute befindet. An der Spitze.
In seinem letzten Lebensabschnitt blieb Lloyd seinem Motto treu und grub weiter jeden Tag sein Loch in die australische Erde. Nur deren Größe nahm immerzu ab und am Ende handelte es sich dabei nur noch um Golflöcher, in die er später versuchte den Ball hinein zu putten.
1965 legte er sich für immer schlafen. Seine Familie war bei ihm. Fast. Sie wurden von seinem Ableben zeitgerecht informiert. Das Begräbnis fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Familiensitz nahe der Sunshine Coast statt. Sein Grab hatte LLoyd sich noch selbst geschaufelt.
Seinen Grabstein ziert heute noch das Lebensmotto des großen Queensländer Unternehmensgründer LLoyd Hutchinson: I dug hole.
Hut ab.
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vor 4 Jahren
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