Sonntag, 5. Oktober 2008

Crawling




Gerade machte sich Verzweiflung bei mir breit. An diesem heißen Montag in Brisbane wollte mir partout keine Geschichte einfallen. Noch dazu hatte mein geliebter Laptop in der Bibliothek schlapp gemacht und verhinderte somit technisch gesehen das Erstellen eines neuen Blogeintrags. Doch ich weiß, wie wichtig Kontinuität für die Helden in diesen Oktobertagen ist. Während die Finanzkrise und die Große Koalition weiterbestehen, kann ich nicht einfach einen auf Scheiß-Drauf machen. Wo kämen wir denn da hin? Australien!?
Jedenfalls fehlte mir eine Geschichte, etwas erzählenswertes. Natürlich hätte ich schreiben können, dass Eli es jetzt gepackt hat und sich auf allen Vieren fortbewegt und somit die Welt selbstständig für sich erobert. Aber wen interessiert das schon, wie ein so ein lieber kleiner Fratz von einem Tag auf den anderen so entscheidende Entwicklung in seinem Dasein erlebt? Ruhe, Hans Dichand!
Mir war klar, dass Babys nicht wirklich geeignet sind Emotionen auszulösen, ich meine, die sind doch unausstehlich und laut. Machen immer was sie wollen und stehen dafür noch im Mittelpunkt einer jeden Gesprächsrunde. Schauen einen mit großen Augen an und wenn sie dich anlachen, weißt du nie, was sie von dir wollen. Außer zeigen, dass sie dich gerne haben. Na bravo.
Über das Wetter zu schreiben ist ungefähr so spannend wie eine Verkehrsstromanalyse am Schmollner Kreisverkehr. Oder über die sexuelle Orientierung von orangen Spitzenpolitikern zu spekulieren. Bei 11% Zustimmung kann es mit der Homophobie in unserem Heimatland nicht weit her sein. Außerdem kann ich nicht hergehen und berichten, dass es bei uns einfach sommerlich heiß ist, die Sonne strahlt, der Wind geht und ich dazu schwitze als gäbe es kein Morgen. Das Problem von Schweißflecken in der Öffentlichkeit zu analysieren, dazu fehlt mir der Mut. Und ein trockenes Leibchen.
Da wäre auch der Abschluss meines Surferdaseins in Byron Bay gewesen. Ihr hättet es mir sowieso nicht geglaubt, dass ich es tatsächlich geschafft habe, meine ersten vier bis fünf Wellen selbstständig zu erobern und dafür von meinen Surflehrern Anerkennung gezollt bekommen habe. Wozu dann darüber einen Blog verfassen? Ich weiß, wie es sich anfühlt, es gäbe sicherlich gute Vergleiche dafür, die es wert gewesen wären an dieser Stelle herangezogen zu werden. Trotzdem. Fotos gibt es aber.
Wochenenden in Brisbane sind jetzt nicht unbedingt nur fad. Eigentlich sind sie das genaue Gegenteil von fad. Es gibt immer viel zu tun, West End Markets zum Beispiel. Oder meine Indoor-Soccer-Karriere bei Non Athletic FC, die mit dem dritten Sieg in Folge, den Saisontoren 6 bis 10 und dem Vorstoß auf Platz 2 in der Tabelle so richtig ins rollen kommt. Radeltour mit Cameron auf den Mount Ko-Tha ist auch nicht wirklich spannend, außer man interessiert sich für den höchsten Punkt in Brisbane.
Nein, mir fehlt der Stoff, die Erlebnisse für neue Geschichten. Es läuft bei mir nicht so wie bei Eli, dass sich die Ereignisse überschlagen, die ein Leben einzigartig machen und trotzdem eine Selbstverständlichkeit darstellen. Was am Samstag eine Sensation war, ist am Montag Routine. Veränderung und Entwicklung sind die Charakteristika der Zufriedenheit. Oft wird einem das erst bewusst, wenn man innehält und schaut, was da vor einem an Erreichtem liegt. Stillstand macht es uns leicht. Dann hat man Zeit und ist unzufrieden. Weil man sich nicht verändert und nicht entwickelt. Vielleicht schreibe ich darüber.
Keine Idee im Kopf, keine Lust auf Warten, zusammengefasst gut gelaunt zog ich Richtung Three Monkeys weiter. Da stand er plötzlich, ein grüner Renault Scenic mit einem riesigen Tisch auf dem Dach. Ein Mann mit seinen zwei jugendlichen Töchtern machte sich daran zu schaffen den Tisch, der relativ schwer aussah, vom Dach zu hieven. Ich von Haus aus eine hilfsbereite Person und im Hand umdrehen hatte ich ein Jobangebot. Ich könnte Kellner in einem mexikanischen Restaurant werden. Schon morgen.
Was mir allerdings fehlt ist eine Geschichte, die euch interessieren könnte. Es tut mir leid, was soll ich nur machen?

Hut ab.

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