Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Sage ich immer. Trifft diese Aussage auch auf diejenigen zu, die zu spät zu einem Blutspendetermin kommen? Frage ich mit heute. Oder werden in diesem Fall nicht andere für die eigene Unfähigkeit Termine einzuhalten zur Rechenschaft gezogen?
Ja, ich weiß, es hätte heute im West End die Möglichkeit gegeben für das australische Rote Kreuz ein wenig seines eigenen Lebenssaftes zu spenden. Ich wollte diese Gelegenheit nützen und diesem Land, welches mir so viel geschenkt hat, etwas von meiner Dankbarkeit überlassen. Leider ist es dazu nicht gekommen. Warum? Nun, es hat geregnet. Und wie! Manchmal richtig arg stark, dann auch wieder nicht. Langer Rede extrem kurzer Sinn, ich habe die Blutabgabe um eine Viertelstunde verpasst. Selbstverständlich war ich verärgert, richtig sauer bin ich geworden. Dieses vermaledeite Rote Kreuz! So viel Scheinheiligkeit auf einem Haufen, das ist ja unerträglich. Wenn die unbedingt unser Blut haben wollen, dann sollten sie auch auf die warten, die aus Prinzip eine Uhr nicht lesen können, eitel, planlos und sozial minder intelligent sind. Aber dafür sind sich die feinen Herren offensichtlich zu schade.
Beruhigt meinen Ärger richtig abgelenkt zu haben, wechselte ich wieder die Straßenseite ins Three Monkeys, wo ich seit eineinhalb Stunden versucht hatte ein Kindersudoku zu lösen. Erfolglos. Irgendwie gelang es mir nicht mich ordentlich zu konzentrieren, etwas schien mich geistig zu blockieren. Vielleicht der Regen, dachte ich zu Beginn. Dieser Erklärungsversuch wurde gleich wieder verworfen.
Das Problem liegt ganz wo anders. Ich will es an dieser Stelle besprechen. In der Beattie Street herrscht seit Tagen Krieg. Ein kalter Krieg. Deshalb auch das oben verwendete Zitat. Die Akteure dabei sind Melloy und ich. Der Fairness halber möchte ich festhalten, dass einzig der fiese und hinterhältige Australier für die Aggressionen verantwortlich ist. Ich hingegen berufe mich auf meine absolute Souveränität und das daraus abgeleitete Selbstverteidigungsrecht.
Seit Tagen gehen wir uns konsequent aus dem Weg. Er geht auf die Uni, ich in mein Zimmer. Er geht ins Bett, ich in mein Zimmer. Er schaut fern, ich auch. Aber unter Protest. Selbst räumlich liegen inzwischen Welten zwischen uns. Wir beide leben in von einander abgetrennten Bereichen. Seitdem für den krabbelnden Nachwuchs des Hauses zwei Türblockaden errichtet wurden, die das Wohnzimmer von den anderen Hausteilen abgrenzen sollen, dienen diese zwei Gitter als weithin sichtbare Zeichen unserer Differenzen.
Wieder einmal entzweit der Sport. Am Sonntag nehmen nämlich die Herren des Hauses an einem Adventure Race nahe der Sunshine Coast teil. Das Adventure dabei besteht aus einer Mischung aus einem Mountainbikerennen, einem Geländelauf und einer Kajakfahrt, welche durch das Lösen von Rätseln und Orientierungsaufgaben im Gelände mit einander verbunden werden. Das alles in mindestens 5 Stunden. Man bestreitet dieses Quälerei nicht allein für sich selbst, sondern in Dreierteams. Da Melloy bei der Anmeldung zu diesem Wahnsinn der Meinung war, dass ich die Siegchancen von ihm und Cameron schmälern würde, wurde ich kurzerhand in ein anderes Team mit Freunden von ihnen gesteckt. Doch auf Grund meiner überragenden körperlichen Verfassung, die ich momentan an den Tag legen darf, sieht dieser Ehrgeizler seine Felle davon schwimmen oder besser gesagt mich beziehungsweise mein Team davon laufen.
Deshalb schneidet er mich bei jeder Gelegenheit. Zu Taktikbesprechungen werde ich hinzugezogen, Abfahrtszeiten werden mir nicht in meiner Muttersprache mitgeteilt und es wird sogar überlegt mich morgen nicht kicken zu lassen.
Aber da mache ich nicht mit. Wenn er sagt, er trinkt keinen Alkohol bis zum Rennen, dann ich auch nicht. Keine sportliche Betätigung bis zum Rennen, kein Problem, ich bewege mich einfach gar nicht mehr. Spricht er nicht in meiner Muttersprache mit mir, werde ich das auch nicht machen und kein Wort deutsch mehr sprechen.
So ist das im Krieg. Ob kalt oder warm. Am Sonntag steigt die entscheidende Schlacht. Ich hoffe, ich kann auf euch zählen, Heldinnen und Helden. Um Mitternacht eurer Zeit gehts los. Wer Zeit hat soll meinem Team die Daumen drücken.
Warum? Um in der Sprache des Verliererlandes zu bleiben: It's time to kick some serious Aussie asses.
Hut ab.
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vor 4 Jahren
1 Kommentar:
ähm ja ok a sicher, oder...
es regnet bei euch?
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