Es war beziehungsweise ist noch immer (eigentlich schwer zu sagen, mit der ganzen Zeitumstellung und so) "Ride-your-bike-to-work-Day" in Australien. Oder nur in Queensland? Gar nur in Brisbane? Im Grunde ist dieser Umstand relativ egal, weil ich mich nicht darum gekümmert habe nachzuforschen und den Tag einfach geschehen habe lassen.
Melloy fährt sein Rad jeden Tag zur Uni. Gestern (Belassen wir es bei gestern. Stimmt ja auch.) hat er dafür ein Gratisfrühstück erhalten anlässlich des "Ride-your-bike-to-work-Days".
Da wollte ich um nichts nachstehen. Allerdings spießte sich die Sache auf mich bezogen ein wenig. Erstens habe ich keine wirkliche Arbeit. Nicht einmal eine Arbeitserlaubnis besitze ich. Natürlich könnte der geneigte Beobachter meinen, dass ich gelegentlich Geschirr spüle, Wäsche aufhänge und die Hunde der Beattie Street umsorge. Stimmt ja auch. Aber richtige Arbeit ist das nicht.
Richtige Arbeit, was muss ich mir darunter vorstellen? Wie oft habe ich schon gehört, dass diese oder jene Tätigkeit keine richtige Arbeit darstelle? Zu oft. Arbeit bestimmt unser Leben, zumindest das eines Erwachsenen. Dann wiederum auch das der Kinder, weil ihre Erziehung nicht nur aber auch von der Beschäftigung der Eltern abhängig ist.
Gut, lassen wir das. Ich habe keine Arbeit, eine Tätigkeit die mit Geld als Gegenleistung abgegolten wird. Beschäftigung, das schon. Irgendwie. Selbstverständlich zahlt mich keiner für das hier geschriebene. Trotzdem mache ich es gerne.
Darum geht es doch. Etwas zu machen, sich mit etwas beschäftigen, das einem taugt. Deshalb muss ich nicht ständig durch die Gegend reisen und mir jedes verzweifelte Stückchen australischen Kontinent anschauen, nur um bei meiner Rückkehr mit einer Liste besuchter Orte zu prahlen. Das ist nicht Australien! Nicht für mich. Ich bin wahrscheinlich zu faul und zu bequem mir lange Reiserouten auszudenken. Außerdem will ich nicht ständig das Gefühl haben von einem Ort zum nächsten hasten zu müssen, nur weil mir der Lonley Planet dazu rät.
Nein, ich will die Zeit, diese Aus-Zeit, anders nützen. Leben! Nachdenken! Finden!
Was am Ende dabei heraus kommt, muss ich wahrscheinlich nur mir selbst gegenüber verantworten. Ich fürchte mich nicht davor, auch wenn das in den Augen vieler eher ungenügend gewesen sein sollte.
Zweitens, kann ich mein Fahrrad gar nicht in mein Zimmer stellen. Zum einem ist es viel zu dreckig und außerdem wer stellt sich ein Fahrrad in sein Zimmer? Gefrühstückt habe ich so und so in der Küche.
Wahrscheinlich war ich ein wenig zu überrascht, als meine deutsche Nachbarin mir unterstellte, meine Zeit hier in Australien nicht ausreichend zu nützen. Ansonsten hätte ich ihr wohl das hier gesagt. Sie ist ein Kopfmensch, so wie es die meisten Deutschen sind (außer den Heldinnen, eh klar), und versteht es nicht wie ein Herz für sich die Wahrheit erfühlt.
Zum Glück zeigte Toby, unser Hund, eine angemessene Reaktion auf den teutonischen Kopfmenschen-Angriff und pinkelte gegen ihre Mülltonne. Was sie ziemlich aufregte. Ich denke, noch mehr aufgeregt hätte sie sich, wenn sie wüsste, dass einige Stunden später auch noch menschlicher Urin auf ihrer Haustür gelandet ist.
Leben!Nachdenken!Finden! Sauschädel! Nein, so war das nicht gemeint. Kopfmensch! Schlimm genug.
Hut ab.
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vor 4 Jahren
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