Um bei der Wahrheit zu bleiben. Ich hatte ein Problem. Ich könnte mir zwar andere Erklärungen anbieten, aber diese würden dem Problem nur verschiedene Titel verleihen und dadurch nicht mehr stimmen.
Obwohl ein Gedanke hat mir an sich schon ganz gut gefallen. Halbzeitpause. Wie beim Kicken brauchte auch ich ein wenig Zeit um mich wieder zu fangen. Für das Wochenende hatte ich nämlich gewissermaßen die Zeitenwende errechnet, Halbzeit quasi. Ab sofort stehen mir nur noch so viele Tage meiner Aus-Zeit zur Verfügung , wie ich bereits verlebt habe. Leider habe ich keinen Coach bei mir, der mir eine profunde, detaillierte und in schlechtem Deutsch vorgetragene Halbzeitansprache liefern hätte können. Keiner, der den ganzen Sinn hinter unserem Dasein, sei es im Leben oder im Spiel, mit zwei simplen Worten zusammenfassen kann. „Mehr aggressiv!“ Das nachher geknurrte „ Burrrsch(a)nn“ lasse ich besser unerwähnt.
Mehr aggressiv also. Aber wie sooft im Sport ist es auch im Leben nicht immer einfach diese Forderung in die Realität umzusetzen. Und genauso wie der Fußballer bei solchen sinnfreien Halbzeitansprachen das Gehirn auf Durchzug schaltet und an seinem isotonischen Getränk nuckelt, habe auch ich die letzten Tage in mir geruht.
Nicht, dass sich nichts ereignet hätte. So war das auf keinen Fall. Und es waren zahlreiche unvergleichliche Momente darunter. Seltsamerweise waren jedoch die Situationen am schönsten in denen ich einfach in den Himmel blickte und tiefe Zufriedenheit zu spüren bekam. Augenblicke in denen alles einen Sinn erhielt, indem es keinen Sinn mehr machte.
Damit ich dieser Sinnbefreitheit auch genügend Tribut zolle, befinde ich mich jetzt auf Strandbroke Island. Besser gesagt, Northern Straddie Island.
Straddie, wie die Insel von den Heimischen genannt wird, ist die kleine, verhurte Schwester von Fraser Island. Fraser war immer schon ein wenig größer, zierlicher und natürlicher als Straddie. An sich besteht zwischen den beiden kein großer Unterschied. Beide sind Inseln, die aus nichts anderem bestehen als Sand. Straddie hat sich darauf aber nie so viel eingebildet wie ihre große Schwester. Diese prahlte bei jeder Gelegenheit mit ihrer Unberührtheit, die sie durch den Status eines Nationalparks auf alle Zeit konserviert zu haben schien. Die etwas südlicher von Brisbane gelegene Straddie hatte nie eine Chance sich auf diesem Gebiet gegen die arrogante und zunehmend selbstsichere Fraser durchzusetzen und begann deshalb sich zu öffnen. Jeder der genug Bargeld zur Verfügung hatte, durfte sich sein Ferienhaus auf ihr aufstellen. Auch die Wochenendtouristen mit ihrem unbändigen Drang nach Alkohol und schlechtem Benehmen nahm Straddie auf. Die Menschen lieben Straddie dafür. Auch wenn alle sagen, dass Fraser die schönere der beiden ist, wissen sie genau, dass Straddie mehr Spass macht.
Es stimmt. Straddie hat was verführerisches an sich, das nur schwer in Worte zu fassen ist. Womit mir wieder bei meinem Problem angelangt wären. Im Moment kann ich leider nicht wirklich beschreiben, was um mich herumgeschieht und schon gar nicht in mir. Die Wahrheit liegt so klar vor mir und erstreckt sich so weit am Horizont, dass mein kleiner Fotoapparat namens Hirn sich außer Stande sieht, sie an dieser Stelle abzulichten. Es würde nur ein verschwommenes und unklares Bild entstehen, dass man gleich wieder löschen würde, wenn man die richtige Taste dazu hätte. Weil man nicht glauben will, dass man es nicht besser fotografieren kann. Deshalb hat es gedauert bis ich wieder etwas geschrieben habe.
Ich habe so viele Bilder im Kopf, die man alle nicht auf Film bannen kann. Auch wenn man glaubt ein guter Fotograph zu sein.
Hut ab.
Latest writings are now on substack
vor 4 Jahren
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen