Mittwoch, 29. Oktober 2008

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Wäre er nicht vorbeigekommen, ich würde noch immer dort sitzen und auf den Bus warten. So stand ich einfach von der Bank in der Haltestelle vor dem Hostel auf und ging mit ihm. Manchmal ist es so einfach und besonders einfach scheint alles auf Straddie zu gehen. Da gingen wir also. Wie sich herausstellte war mein Weggefährte Kanadier und arbeitete bereits seit vier Monaten auf der Insel, was ihn befähigte den komplizierten Busplan zu lesen und Wartezeiten richtig einzuschätzen.
Es war eine dieser Begegnungen, die durch nichts gerechtfertigt werden können, denen aber ein Charme innewohnt, der zu erklären genauso unmöglich scheint wie der Busplan des Straddie-Links.
Da gingen wir also und unterhielten uns. Einfach der Straße entlang, der Hauptstraße auf Straddie. Am blauen Himmel schien die Sonne so erbarmungslos auf uns herunter wie sie das schon den ganzen Tag gemacht hatte. Allerdings wurde dieser Umstand weder von dem Kanadier noch von mir als störend empfunden. Es gehört zu Straddie wie der Sand, der 4-Wheel-Drive und die Fähre.
Da gingen wir also und redeten über Norwegen. Ein Kanadier und ein Österreicher spazieren auf einer australischen Insel und tauschen sich über Norwegen aus. Ein Klassiker. Danach erzählte ich von meinen Surferfahrungen des frühen Nachmittags und er über die Zukunft der Insel. Nach einer Viertelstunde war unser gemeinsamer Weg auch wieder zu Ende und er bog zum Inselpub ab, dem einzigen im Ort. Er verdient dort nämlich sein Geld. Vielleicht kann er mit diesem Geld nach Skandinavien reisen um seine Freundin in Bergen zu besuchen. Zu wünschen wäre es ihm. Dem Guy. Unter diesem Namen hatte er sich schlussendlich vorgestellt.
Da stand ich nun und ging einfach weiter. Ich setzte einen Schritt nach dem anderen während sich über mir die Dämmerung für ihren Auftritt bereit machte. Um mich herrschte eine Ruhe, die unheimlich schien. Unheimlich schön. Egal welchen Weg ich einschlug, ich war mit mir allein und ganz bei mir. Vor mir erstreckte sich legendlich der Pazifik, welcher an idyllischen Stränden auf die Insel traf. Das Rauschen der Wellen umhüllte mich wie eine Decke aus Musik. Die Sonne malte in ihrer Untergangsstimmung die verschiedensten Farben an den Horizont. Und es schien als wäre ich der einzige der das alles miterleben durfte. Ich war ganz ruhig und ließ alles auf mich einströmen. Jeden Filter den mein Verstand über diese Augenblicke zu legen versuchte legte ich zur Seite. Einzig meine Beine ruhten nicht und liefen immer weiter.
Mein Ziel hatte ich längst aus den Augen verloren. Oder gab es jemals ein Ziel? Es schien nicht mehr wichtig zu sein, solange meine Sinne nur aufmerksam alles was die Natur ihnen bot aufsogen wie ein neuer Schwamm. In diesem Zustand gibt es weder Zukunft noch Vergangenheit. Nur mehr Zufriedenheit. Und Dankbarkeit.
Letzten endlich hielten meine Beine am Main Beach von Point Lookout. Ich ließ mich auf dem Gras nieder und schaute meinen Surferkollegen zu, wie sie Wellen ritten, die wohl zu erst mein Board und danach mich in zwei brechen würden. Aber das zählte nicht mehr. Der Strand erstreckte sich soweit ich blicken konnte. Über den Sandhügeln verabschiedete sich langsam die Sonne von mir und der Insel. Die Schatten wurden immer länger und schließlich von der Dämmerung zur Gänze geschluckt.
Ich saß da und blickte in die Ferne. Irgendwie schien es als wäre ich angekommen. Von solch einem Ort Abschied zu nehmen ist nicht einfach. Und wäre die Dunkelheit nicht über mir hereingebrochen, ich würde noch immer dort sitzen. Im Gras und in die Ferne blickend.


Hut ab.

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