Sonntag, 19. Oktober 2008

Perfect

Was gibt es schöneres als von Sonnenstrahlen, die zaghaft durch das Fenster eines Zimmers lugen, geweckt zu werden? Im Grunde nichts. Sie kitzeln im Gesicht und machen den Augen deutlich, dass ein neuer Tag angebrochen ist. Aber sie fordern nicht, sie bieten nur an aufzustehen um zu sehen, was sich die Natur für einen Tag wieder einfallen hat lassen.
Manchmal sind dann auch Tage dabei, da sollte man die Augen erst gar nicht aufmachen. Wenn das Munterwerden genau die falsche Option darstellt. Meistens hat man dann aber den Schlaf vergrault und aufgestanden wird nur um sich ihn wieder zu verdienen.
Dennoch kann ich behaupten, dass solche Tage, die vor Mieselsucht zu stinken scheinen wie verrottende Äpfel, uns immer wieder aufs Neue abgegolten werden.
Mit Tagen wie diesem hier. Einem Tag, an dem es nichts ausmacht, dass man sich erst vor drei Stunden niedergelegt hat. Nur um von Babygeschrei geweckt zu werden. Und den Sonnenstrahlen dazu. Die sollte man nicht unerwähnt lassen. An so einem Tag ist es kein Problem, wenn es unerklärlich scheint, warum man sich senkrecht auf den Beinen halten kann, weil der Vodka im Blut nach Vertikalität ruft. Man funktioniert. Da setzt man sich zum Frühstück und hat Probleme mit der Muttersprache. Und dies ist kein Problem, denn man unterhält sich sowieso auf englisch. Außerdem muss man ja nicht jedes Gespräch aktiv mitgestalten, zuhören kann manchmal auch sehr viel bringen. Essen an solchen Tagen, bereitet dem Körper keine Schwierigkeiten, hat man erst den Punkt überwunden, an dem die Nahrungsaufnahme keine Herausforderung mehr darstellt. Danach kaut man an gebratenem Speck herum und mischt beinahe gierig Spiegeleier mit Bohnen auf seinem Teller und stopft schlussendlich noch Toastbrot in den Mund hinzu.
Weil es besondere Tage sind, von denen gesprochen wird. Sie enden nicht einfach nach dem Frühstuck. Sie gehen weiter. An einem anderen Ort zwar, aber dieser ist es allein schon Wert, dass man dranbleibt. Dieser Ort bietet für zehn junge Menschen Mittagessen. So etwas schätzen junge Menschen zwar immer, aber an Tagen von denen hier die Rede ist, schmeckt es ihnen auch, wenn es streng genommen wohl die erste Mahlzeit des Tages sein sollte. Da kann der junge Mensch bereits um zwölf Uhr ein Bierchen zischen, obwohl er vier Stunden zuvor geschworen hat, das nie wieder tun zu wollen. Erstaunlicher Weise schmeckt es ihm sogar. Und weil die Getränk so gut schmecken, trinken dann alle auch noch ein bisschen Sekt oder Wein, sodass die meisten Essensteilnehmer sich ihren Rausch vom Vorabend gemütlich aufgewärmt haben.
Allerdings ist das an gewissen Tagen irrelevant. Denn kurz nach dem Weltessen, das man serviert bekommen hat, schwitzt man sich den Alkohol bei einer gemütlichen und keinesfalls hochklassigen Tennispartie eh wieder heraus. Die anderen jungen Menschen sitzen derweilen im Schatten und brauchen nicht viele Worte um sich verstehen zu können.
Sie blicken auf den Tag, auf die Natur, die sich vor ihnen in Form eines Golfplatzes erstreckt. Wie der Tag sich dem Ende zu neigt, aber die Sonne sich noch nicht geschlagen gibt und unaufhaltsam vom blauen Himmel strahlt, wird ihnen klar, dass man für solche Tage dankbar sein sollte. Dankbar, dass man das erleben darf. Da kann es schon mal passieren, dass die Zufriedenheit in einem hochsteigt um kurze Zeit später wie ein mit Wasser gefüllter Ballon zu zerplatzen und den ganzen Körper zu bedecken.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt weiß man, dass dieser Tag ein spezieller ist. Kein Tag wie jeder andere. Es scheint als wären all der Frust, die Angst und Ungewissheit, die ansonsten jeden Tag bei manchen vorbeischauen, schön verpackt im "Erledigt"-Ordner gelandet und für lange Zeit dort verschwunden.
An solchen Tagen will man seinem treuen Begleiter, der Sonne, bis zu dessen Abschied nahe sein. Deshalb sucht man das Ufer eines nahegelegenen Flusses und sagt leise "Auf Wiedersehen" ins Abendrot hinein. Wenig später kann man dann auch gleich die Sterne begrüßen, die sich anschicken ebenfalls einen großartigen Job in Sachen Menschenunterhaltung abzuliefern.
Irgendwann gehen dann solche Tage zu Ende. Meistens dort, wo sie begonnen haben. Im Bett. Und manchmal, wenn man ganz genau hinhört, hört man die ganze Welt noch kurz "Danke" sagen.
Ein solcher Tag war gestern. Gestern war Sonntag. Danke.

Hut ab.

1 Kommentar:

Cameron Murray hat gesagt…

Nice blog. Very funny that you wrote one about me - Mr Perfect. Thanks for that.