Vor mir die Schüssel. Ich weiß, was zu tun ist. Ein Griff und die Cornflakes füllen die Schüssel mit Inhalt. Ich schaue mir das unbeteiligt an, warum auch? Eine Handlung, die so oft getätigt wurde, dass man sie nur noch unterbewusst wahrnimmt.
Man nimmt vieles nur noch wahr. Weil es meistens das gleiche ist. Glaubt man auch deswegen, dass es wahr ist? Ich meine, so richtig und überhaupt die Wahrheit.
Ich fühle mich wie meine Wäsche, die seit Stunden an der Wäscheleine hängt und vom wechselhaften Wetter gehindert wird erfolgreich zu trocknen. Es ist die unbeholfene Komik, mit der mich abgefunden habe leben zu müssen. Deshalb lache ich lieber als dass ich mich aufrege. Es bringt so wie so nichts.
Dabei hätten wir daheim, in meiner Heimat, eine richtige Kultur des Aufregens aufgebaut. Über Jahrhunderte und Jahrzehnte hinweg haben sich Menschen über die Zustände aufgeregt ohne jemals etwas dagegen zu unternehmen. Lieber wurden die in ein Eck gedrängt, die ihren Unmut in konkrete Aktionen umgesetzt haben.
Eine konkrete Aktion zu starten, das war einmal ein Ziel. Von mir. Doch die Zeit verging und Ideen sind in mir verrottet wie die Äste im Eck unseres Gartens in der Beattie Street.
Heute haben wir sie weggeschafft. Auf die Deponie, zu all den anderen abgeschnitten Sträuchern, Ästen, sogar ganze Bäume befanden sich darunter. Neben den alten seit Wochen und Monaten herumliegenden Laub, haben sich noch die Äste dazugesellt, die wir erst gestern abgeschnitten haben. Sie haben der Sonne keinen Platz gelassen, nachhaltig in den Garten zu scheinen und den anderen Auswüchsen der Natur eine Chance auf Wachstum zu bescheren.
So muss es sein. Weg mit dem was einen Schatten auf einen wirft! Wer zu lange damit wartet, der wird irgendwann feststellen, dass gar nichts mehr wachsen kann. Lieber dieser Eingriff in etwas bestehendes und funktionierendes bevor alles andere dadurch zerstört wird.
Auf keinem Fall ist es leicht solche Äste abzuschneiden. Man kennt sie, hat sie wachsen gesehen und sich nie daran gestört. Aber es kommt der Tag und man blickt auf den restlichen Garten und sieht ihn nicht mehr, weil alles von den alt bekannten Ästen in Schatten gehüllt wurde. Dann muss sich der Landschaftspfleger entscheiden. Lieber ein Ende des Schatten als ein Schatten ohne Ende.
Ich fließe dahin. Weg von mir selbst. Wer wird mich finden und sagen wo ich hingehöre? Dem Grunde nach sollte dies ich selber sein. Gedanken lasse ich zu, weil ich überlegen will. Welchen Ast soll ich denn retten?
Denn oftmals gehören diese Äste zu einem fremden Garten. Sie grenzen an einander. Die Wurzeln in beiden Gärten wachsen zusammen und es entstehen auf beiden Seiten die selben Pflanzen. Sie besitzen den selben Ursprung, aber sie nehmen nicht die idente Form oder das idente Aussehen an. Aber man weiß, sie sind gemeinsam entstanden.
Ich verlange neue Ideen. Von mir. Teilweise ist auch mein Garten entrümpelt worden. Ich denke, dass es so sein musste. Der Platz sollte für neue Ideen reichen auch wenn sie wieder so wachsen wie die alten zuvor.
Meine Wäsche ist trocken. Das Wochenende steht an. Bringt es etwas Neues? Keine Ahnung! Leider bin ich kein Landschaftsgärtner. Nur ein schwächlicher Mann mit einer Säge und einer Axt. Hätte ich doch besser im Werkunterricht aufgepasst. Dann wäre der Garten nicht ein Schlachtfeld.
Schatten gibt es schon noch. Manchmal lässt es sich dort gemütlicher ruhen. Es gibt noch viel Schatten in meinem Garten. Da kann man sich schon mal zusammen sitzen. Vielleicht um zu reden.
Hut ab.
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vor 4 Jahren
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