Donnerstag, 27. November 2008

Sympathy

Manchmal wäre es so einfach. Trotzdem oder gerade deshalb, liebe Landsleute, muss auch ich sehr wachsam sein. Ich muss ehrlicher Weise zugestehen, dass ich enttäuscht bin. Von mir selber. Besser, enttäuscht war. Ich war schockiert wie tief ich zu sinken im Stande wäre, nur um weiterhin meinen Veröffentlichungsrhythmus beizubehalten.
Zum Glück ist alles noch einmal gut ausgegangen. Es wäre auch wirklich geschmacklos gewesen, falls ich tatsächlich zu diesem Thema Gedanken angefertigt hätte, die dann an dieser Stelle, dem Hort der Wahrheit, von einer gespannten Weltöffentlichkeit gelesen werden hätten können.
Doch nichts der gleichen ist passiert. Gott sei Dank! So endet für mich dieser Donnerstag in wenigen Momenten in meinem Zimmer in Brisbane, wohin ich heute Nachmittag wieder zurückgekehrt bin. Aus einem ganz simplen Grund. Wäre ich in Mooloolaba geblieben, ich hätte diese Story geschrieben. Deshalb bin ich um so fröhlicher, dass diese Versuchung nicht mehr so groß ist als noch vor Antritt der zweistündigen Zugreise zurück in die Beattie Street.
Hier bin ich abgelenkt. Meine Gedanke kreisen nicht ständig um diese Idee, die mir heute Früh kam als ich niedergeschlagen und klitsch nass von einem erneuten Surfversuch in Richtung Hostel die Esplanade in Mooloolaba entlang trottete. Im ersten Moment war ich noch begeistert von diesem Einfall, aber je mehr ich darüber nachdachte desto schockierter war ich über mich höchst selbst. Niemals habe ich geglaubt, dass ich zu solch abwegigen Vorstellungen überhaupt fähig sein könnte. Ein schmerzliche Erfahrung, die ich da machen musste.
Irgendwie spiegelt sich in dieser Idee für eine Geschichte nur meine Verzweiflung wider. Jeden Tag stehe ich mit dem Verlangen auf etwas zu kreieren. Eine Botschaft der Hoffnung aus der Sonne in die Kälte des heimatlichen Wintereinbruchs. Denn, seien wir uns doch ehrlich, ein gepflegter Glühweinrausch kann bei weitem nicht einen Tag am Meer ausgleichen. Höchstens die Sonne, die Wärme und die Lockerheit eines Sommertages vorgaukeln, nicht aber ersetzen.
Wo ist diese Lockerheit hin? Verloren in den Wellen des Pazifiks? Untergegangen in meiner Selbstzufriedenheit? Begraben von meinen Selbstzweifeln?
In drei Wochen geht es für mich wieder zurück in die Heimat. Wie so oft stehe ich diesem Ereignis indifferent gegenüber, oder besser gesagt, ahnungslos. Ich weiß nicht, wie ich meine Rückkehr in die Heimat bewerten soll. Die Zeiten sind so unsicher geworden. Wo gehen wir alle hin? Und wo wird mein Platz in all dem sein?
Nachdem mich der Faymann Werner nicht in seinem Kabinett aufgenommen hat, getrieben von der offensichtlichen Angst vor meiner Popularität, bleibt mir nichts anderes übrig als der Bundespolitik auf längere Zeit Adé zu sagen.
Das alles hat mit meiner heutigen Aufgeregtheit wenig zu tun. Diese ist vielmehr ein kurzfristiges Produkt meines Hasses auf mich selbst. Ich dachte nämlich, ich würde den Unterschied zwischen Anstand und Geschmacklosigkeit kennen. Dem ist nicht so.
Ansonsten wäre ich nicht beim Anblick einer Steven-Irwin-Statue, dem Crocodile-Hunter, auf die Idee gekommen, den Tod der australischen Buschlegende mit dem des Landeshauptmannes aus dem südlichsten Bundeslandes zu vergleichen. Und zwar in Form einer RTL-Sendung mit dem Titel "Die Welt sucht den zweiten Sohn Gottes!"
Tief gesunken, ich weiß. Gerade deshalb erscheint es mir wichtig zu berichten, dass ich von dieser Idee Abstand genommen habe. Nicht schreiben werde, welche Kategorien mir eingefallen wären um diese beiden persönlichen Katastrophen auf eine mehr oder weniger pietätlose Weise zu vergleichen. Nein, keine Punkte für Irwins Stich ins Herz! Der Stinger-Ray wartet vergebens auf seine Erwähnung in den Untiefen der TV-Unterhaltung. Haider wird nicht ausgleichen, indem er den Sieg in der Sparte "Bessere Verklärung des Lebenswerks" davon trägt. Nur um bei dem nächsten Vergleich, "Internationale Betroffenheit ob der Todesnachricht" wieder ins Hintertreffen zu geraten. Zwar wäre ihm der Sieg bei "Inszenierung der Begräbnisfeierlichkeiten" sicher, aber nur wenn ich diesen Wahnsinns-Vergleich auch tatsächlich angestellt hätte. Da dem nicht so ist, gibt es nach zwei weiteren Kategorien, " Posthumane Vermarktung" und "Anzahl der Lebensmenschen" kein Unentschieden.
Denn niemand wird wissen, dass ich ein solche verrückte und kranke Idee geboren habe. Ich bin unfassbar froh darüber, dass ich der Versuchung nicht unterlegen bin und dieser Gipfel der Geschmacklosigkeit an dieser Stelle nicht abgesondert wurde.
Ich persönlich werde mit dieser Schmach leben müssen. Meine Gedanken als krank bewerten. Doch zum Glück besitze noch so viel Rest-Anstand, dass ich diesen Stumpfsinn nicht nach außen dringen lasse. Nur um irgendetwas gesagt zu haben.
Bleiben wir also bei der Wahrheit! Die haben sich die Heldinnen und Helden verdient.


Hut ab.

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