Die Sonne war gerade dabei sich über Toowong zu senken. Bevor sie aber ganz verschwand, inszenierte sie einen Untergang, der seines gleichen lange wird suchen müssen. Auf dem Fluss zogen Ruderboote vorbei und von Süden wehte ein angenehmer Wind. Auch die in den verschiedensten Farben blühenden Bäume am Ufer trugen ihren Anteil zum furiosen Dämmerungsszenario an diesem Tag in Brisbane bei.
Doch Toby interessierte das alles nicht wirklich. Er war zwar körperlich anwesend, in Wirklichkeit drehten sich seine Gedanken um etwas anderes. Besser gesagt, jemand anderen. Er dachte an Kitty.
Sie hatten sich auf einem Fußballplatz kennen gelernt. Man kann zur Romantik an diesem Ort stehen wie man will, allein es spielte für Toby keine Rolle. Genau so wenig wie es das für Kitty tat. Sie nannten es Schicksal, damit war die Sache erledigt. Ihnen war klar, dass sie nicht über ihre Wege bestimmen konnten.
Also, das mit dem Fußballplatz war für beide nicht wichtig. Es hätte überall und nirgends stattfinden können, ihre erste Begegnung. Wann das gewesen war, hatten beide schon vergessen.
Liebe auf den ersten Blick war es keine. Natürlich hatten sie einander wahrgenommen, waren sie doch die beiden einzigen Vertreter ihrer Art. Sie bekundeten Interesse an einander ohne zu wissen, was sie von ihrem Gegenüber erwarten konnten.
Toby war ein kleines, etwas älteres Männchen, welches trotz seines fortgeschrittenen Alters noch immer voller Energie zu stecken schien. Kitty passte eigentlich nicht zu ihm. Sie, die schlanke, großgewachsene Schwarzhaarige mit den langen Beinen war beinahe doppelt so groß wie Toby.
Dennoch war sie genau so neugierig wie er. Liebe auf den ersten Blick? Nein, das war es nicht. Mehr ein erstes Beschnuppern. Schnell bemerkten sie, dass sie sich nicht verachteten. Sie empfanden etwas für einander. Sie tollten herum bis die Zeit gekommen war sich zu verabschieden.
Es sollten einige Tage vergehen bis sie sich wieder begegneten. Toby dachte oft an Kitty. Sie dachte auch viel an sich. Und selbstverständlich an den kleinen verschrobenen Alten.
So trafen sie eine Woche später erneut zusammen. Sie erkannten sich von weitem. Stürmten auf einander zu, hielten einen Meter vor einer möglichen Kollision an und schauten sich tief in die Augen.
"Du also?"
"Ja, ich bin es."
"Schön dich zu sehen."
"Gleichfalls. Was geht?"
"Nicht viel. Bei dir?"
"Deinen Small-Talk kannst du dir sparen. Weißt du eigentlich noch wer ich bin?"
"Sicher, wie könnte ich dich jemals vergessen?"
"Indem du nicht mehr an mich denkst."
"Auch wieder wahr. Aber nein, ich habe immerzu an dich gedacht."
Toby war ein Charmeur. Einer, dem man nicht so einfach widerstehen konnte. Kitty jedenfalls verlor sich gerade zu in den dunklen Augen, die sie von unten aus ansahen. Sie mochte keine unterwürfigen Typen, sie wollte einen mit Tiefe. Eine solche Tiefe schien ihr aus diesem Augenpaar entgegen zu leuchten. Sie tauchte darin ein, versuchte Gedanken zu erhaschen, Gedanken, die nur an sie gerichtet waren. Sie mochte ihn tatsächlich.
In Toby regte sich auch etwas. Aber nicht nur bloße Lust, sondern mehr. Zuneigung, Vertrauen und noch mehr Lust. In seinem Alter war er nicht mehr auf jedes sich bietende Abenteuer angewiesen. Er wollte wählen und sein Herz hatte Kitty auserwählt. Er mochte sie tatsächlich.
Jetzt ist es mit der Romantik auf Fußballplätzen an sich so eine Sache. Die einen sagen, es gibt sie. Andere wiederum bezweifeln das sehr heftig. Sei's drum. So sehr ich es den beiden vergönnt hätte sich noch näher zu kommen, ich musste einschreiten. Toby wollte nämlich mehr als Kitty. Das fand ich unfair und holte Toby zu mir. Er schien nicht ganz zu begreifen, was ich wollte. Mit enormer Kraft versuchte er sich von mir loszureißen. Aber es war zu spät.
Die Leine hatte ich schon angelegt und so zog ich einen widerspenstigen Köter von seiner Gespielin weg. Es waren auch Kinder am Sportplatz. Wo kommen wir denn da hin?
Toby hat das mitgenommen, dass ich ihn mitnahm. Und so blickt er nervös um sich und hofft Kitty bald wieder zu sehen.
Hunde haben eben keine Ahnung.
Hut ab.
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vor 4 Jahren
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