Sonntag, 30. November 2008

Dedicated

Auf dem Tisch steht noch ein Glas. Es ist deins. Du bist davor gesessen, hast daraus getrunken. Die Abdrücke deine Lippen beweisen, dass du es warst. Ich will das Glas nicht abspülen, von mir aus kann es für immer dort stehen bleiben. Jedenfalls soll es nicht zu den anderen. Das Glas, es ist halb leer.
Als du gingst war es halb voll. In deinem Aufbruch verlor die Hoffung ihren Sinn. Wir waren lange am Grad des Wahnsinns gewandelt. Du hast gesagt, zu lange. Doch wir konnten nicht wissen, was wir wollten. Kannten weder die Konsequenzen noch die Furcht davor. Wir haben Flüssigkeit verschüttet, die kostbar war und uns gut tat. Jetzt stehen wir verloren vor diesem verwunschenen Glas und zögern daraus zu trinken. Das Glas, es ist halb leer.
Warum man alles falsch macht, wenn man den Versuch wagt, wissen wir nun. Der Schmerz des Scheiterns hält die Erinnerung aufrecht und hinter diesem schimmern schwach Gedanken an das Gute nach draußen. Nur sie sind so viel wärmer und der Schmerz wird dadurch nicht zur Sinnlosigkeit verdammt. Ich betrachte das Glas und die Glut in mir lodert weiter. Das Glas, es ist halb leer.
Im Garten stehend blicke ich auf die Nacht. Der Mantel der Finsternis liegt über der Stadt. Sie ruht sich aus. Atmet schwer und regelmäßig und zieht die frische Luft magisch an. Auch ich sollte längst ruhen. Doch ich sehe das Glas und werde von einer Unruhe ergriffen, die mich an diesen Ort fesselt. Es gäbe so viel zu sagen. Wie kannst du mich hören? Das Glas, es ist halb leer.
Mit der Zeit wird alles besser. Noch besser ginge es mit dir. Ich kann verstehen, warum du gehen wolltest oder musstest. Das habe ich immer getan. Verlieren war unmöglich und trotzdem stehe ich auf verlorenem Boden. Es gab niemals eine Schlacht. Wir wussten, dass die Zeit uns nur kurz zur Verfügung stand. Ich habe versucht mich zu beeilen. Du bist vor dem Glas gesessen. Das Glas, es ist halb leer.
Meine Ruhe stammt von der Ratlosigkeit. Sie hat mich gebremst. Ich wollte nicht aufgehalten werden, wollte nach vorne. Um bei dir anzukommen. Ich war dir schon nahe. Der Stopp war hart und tat weh. Noch fehlt ein Ende. Das Glas, es ist halb leer.
Weil wir uns nicht sehen, fällt es leicht zu täuschen. Den Spekulationen freien Lauf zu lassen- Ich würde gerne aus deinen Augen lesen. Deine Geschichte kennen lernen. Für mich bist du ein Buch. Ich kann dich nur nicht lesen. Sag mir, um was es bei dir geht. Bei mir um alles! Du weißt, wann du umblättern kannst. Gib mir einen Schluck! Das Glas, es ist halb leer.
Wer nicht weiß, was er will, wird gewinnen. Denn ich wollte alles und habe verloren. Dich! Am Ende des Tages blieb mir nur dein Glas. Es steht auf dem Tisch. Ich sehe die Abdrücke deiner Lippen darauf. So viel würde ich geben, sie spüren zu können. Aber du bist gegangen als das Glas noch halb voll war. Das Glas, es ist jetzt halb leer.
Ich werde es stehen lassen. Vielleicht kommst du zurück. Es wird noch da sein. Das Glas, es ist immer noch halb leer.
Besser wäre es ein frisches zu bringen um eine Geschichte damit zu beginnen. Eine neue. Sie wird besser werden. Das verspreche ich dir.
Danach werde ich das Glas waschen und es zu den anderen stellen.
Weil ein neues auf dem Tisch steht. Dieses Glas, es wird voll sein. Hoffentlich.

Hut ab.

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