Der heutige Tag brachte Regen über Brisbane. Grund genug für mich auf keinen Fall das Haus freiwillig zu verlassen. Und da es mit dem Zwang auch im November schlecht ausschaut bei mir, tat ich das auch nicht. Doch wer glaubt, dass man in den eigenen - oder in meinem Fall geliehenen eigenen- vier Wänden nichts erleben kann, der hat mit Sicherheit recht. Nur heute ausnahmsweise nicht.
Aber richten wir den Fokus lieber auf die Ereignisse des Tages. Gegen Mittag erreichte ich nach langem, zähen Ringen mit mir selbst das Wohnzimmer. Mein Entschluss stand fest. Gegen Regen kämpft man am besten mit fernsehen an.
Es lief entgegen der Regel ein wirklich annehmbarer, guter und spannend inszenierter Science-Fiction-Polit-Thriller aus den USA auf sämtlichen Kanälen. Besser gesagt, auf vier von fünfen. Interessiert und aufmerksam verfolgte ich das Programm bis ich nach zwei Stunden heraus fand, dass es sich um die Wahlberichterstattung zur US-Präsidentenwahl handelte. Ich war schockiert.
Liebe Landsleute, grundsätzlich sind Wahlen in anderen Ländern wie Fußballweltmeisterschaften. Man sucht sich im Vorfeld einen Favoriten, drückt diesem die Daumen, falls dieser doch nicht gewinnen sollte, fällt die Sonne nicht vom Himmel und man ist froh, dass keine Österreicher darin vorkommen. Den schlechten Ruf haben wir so und so schon.
Diesen Vergleich kann ich für die heutige Wahl nicht gelten lassen, denn er stimmt nicht. Viel mehr gibt das Ergebnis, oder besser der Sieg von Barack Obama, Anlass zur Sorge. Liebe Landsleute, es gibt bei dieser Wahl einen großen Verlierer. Nicht John Mc Cain oder Sarah "Miau" Palin. Genau so wenig wie die fundamentalen, weißen Südstaaten-Rassisten, die ab Jänner von einem heimlichen sozialistischen, terroristischen, unpatriotischen Muslim-Neger regiert werden, Mitleid verdient haben. Solche Menschen können einem höchstens Leid tun.
Nein, der Sieg des demokratischen Präsidentschaftskandidaten, der es geschafft hat als Erster Afroamerikaner ins Weiße Haus einzuziehen, trifft wie so oft die mitunter schwächsten unserer Gesellschaft. Die Kinder.
Und ich spreche in diesem Zusammenhang nicht von den amerikanischen Sprösslingen, die leider keine Stimme abgeben konnten. Ich spreche von den Kindern in meiner, in unserer Heimat. Warum? Das soll an dieser Stelle erläutert werden.
Wie so viele Kinder vor und wahrscheinlich nach mir, habe auch ich in meiner aktiven Volkschulzeit im Turnunterricht ein Spiel besonders gerne gespielt. Es hieß: "Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann?"
Vor dem schwarzen Mann hat man bei diesem Spiel Angst. Auch wenn man das zunächst nicht zugeben will beziehungsweise nicht darf. Spätestens in dem Augenblick, wo sich der schwarze Mann auf eine ebenfalls los stürmende Horde Kinder stürzt, muss man fürchten von ihm gefangen und selbst zum Schwarzen zu werden. Ziel des Spiels ist also, die Fitness und Lauffreudigkeit von Volkschülern durch eine fiktive, auf rassistischen Motiven beruhende Gefahrensituation zu fördern und zu steigern. Man kann dazu stehen wie man will, aber es hilft Kinder vor der Fettleibigkeit zu schützen.
Doch wie schaut es ab dem heutigen Tag damit aus. Anscheinend hat der schwarze Mann an Schrecken verloren. Ja, man hat ihn sogar zum mächtigsten Mann der Welt gemacht. Selbstverständlich ein Grund zur Freude. Allerdings bleibt eine Frage offen. Werden die Schulkinder in Österreich ihr Verhalten bei dem oben erwähnten Spiel ändern?
Ich fürchte, sie werden und dadurch in die Übergewichtigkeit getrieben. Keiner wird mehr davon laufen wollen, sie alle werden mit Freude mit dem schwarzen Mann kooperieren, gemeinsame Sache machen und spielen wollen.
Es wird so ablaufen:
"Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann?"
"Niemand (eigentlich: Niiemaaaaand)!"
"Und wenn er aber kommt?"
"Yes we can, yes we can!"
Ich weiß nicht, ob sich Barack Obama darüber jemals Gedanken gemacht hat. Zu wünschen wäre es ihm, dass nicht. In Wahrheit werden die Kinder nach uns sowieso immer alle dicker, blöder und schiarcher sein als wir es waren. Und wenn sie im Gegensatz zu uns in einer Welt leben, die keine Furcht mehr vor Menschen mit dunkler oder egal welch anderer Hautfarbe kennt, dann sollen sie von mir aus auch alle kleine Moppel werden. Für uns persönlich wird diese Wahl nicht viel verändern. Aber möglicherweise lernen auch wir irgendwas daraus. Because we can.
Hut ab.
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vor 4 Jahren
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