Sehr geehrte Damen und Herren vom australischen Kameradschaftsbund!
Es ist normalerweise nicht meine Art eine derartige öffentliche Entschuldigung zu verfassen. Nach wie vor bin ich der Überzeugung, dass ein Gespräch besser geeignet wäre unsere Differenzen aus dem Weg zu räumen. Außerdem entschuldige ich mich grundsätzlich nicht. Aber in Ihrem Fall muss eine Ausnahme möglich sein, denn es ist mir ein sehr wichtiges Anliegen die Beziehungen zwischen unseren Ländern nicht länger zu trüben.
Ich will mich für mein am Dienstag an den Tag gelegtes Verhalten bei Ihnen allen von ganzem Herzen entschuldigen. Es war nicht meine Absicht Sie, und damit eine Generation von Heldinnen und Helden, zu beschämen oder zu beleidigen. Ich bin mir der Verantwortung, die ich als Gast gegenüber diesem Land trage, sehr wohl bewusst und es lag und liegt mir nach wie vor fern, diese zu vernachlässigen.
Deshalb bin ich der Meinung, dass diese Entschuldigung drängt, denn viel Zeit bleibt Ihnen allen nicht mehr. Das soll nicht bedeuten, dass wir oder ich Ihnen Ihren Einsatz für die Freiheit in Europa und auf der Welt jemals vergessen werden. Sie, zusammen mit all den anderen Männern und Frauen in den alliierten Streitkräften, haben dafür gesorgt, dass Demokratie und Freiheit anstatt Diktatur und Massenmord in großen Teilen der Welt verwirklicht wurden und Europa in Frieden zusammenfinden konnte. Dass Australien ebenfalls einen Anteil dazu geleistet hat und dafür einen hohen Preis zu zahlen hatte, soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Auch Ihr Land hat zahlreiche junge Frauen und Männer in den schrecklichen Jahren der beiden Weltkriege verloren, Familien wurden zerrissen und großes Potenzial wurde auf den Schlachtfeldern der Welt sinnlos vergeudet.
Schlussendlich blieb dieser Einsatz nicht sinnlos, sondern ermöglichte es, dass Millionen Menschen neue Hoffnung schöpfen konnten und auf den Ruinen der zertrümmerten Städte Europas eine friedvollere, man könnte meinen, bessere Welt erschaffen wurde. Im Namen der Generation, die den Krieg nur noch aus Erzählungen, dem Geschichtsunterricht oder letztklassigen N24-Dokumentationen kennt, sage ich hiermit stellvertretend:
Danke!
Inzwischen weiß ich, dass Sie, die Frauen und Männer des australischen Kameradschaftsbundes, das Andenken an ihre gefallenen Freunde und Familienangehörigen pflegen und für eine breite Öffentlichkeit zugänglich machen. Im Nachhinein habe ich auch gelernt, dass für Sie der 11. November der Tag des Jahres ist, an dem die Erinnerung an die Opfer der Kriege besonders hochgehalten wird. Wie gesagt, dass alles habe ich erst nach den Ereignissen des Dienstags in Erfahrung bringen können.
Selbstverständlich hätte ich mich im Vorhinein über die Bedeutung des 11. Novembers hier in Australien informieren können. Auf diese Weise wäre uns eine Menge Ärger und Hass erspart geblieben. Doch wie ich immer wieder sage: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
Deshalb ist mein Verhalten auch nicht zu rechtfertigen oder zu entschuldigen. Ich kann an dieser Stelle nur versuchen zu erklären, wie es zu diesem Zwischenfall kommen konnte.
Eines müssen Sie nämlich wissen, meine sehr geehrten Damen und Herren, der 11. November hat in unseren Breiten eine höchst widersinnige Bedeutung. Wahrscheinlich liegt der Grund dafür darin, dass wir die Kriege immer verloren haben oder so. Ganz ehrlich, ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen. Feststeht nur, dass am 11. November zur elften Stunde bei uns der Fasching beziehungsweise der Karneval beginnt und damit die "närrische" Zeit. Das wiederum wird zuhause auch gefeiert. Jetzt nicht überall, aber zumindest da und dort werden Krapfen in wehrlose Kinder und Senioren gestopft, Sektflaschen entkorkt und Umzüge veranstaltet. Noch viel ärger geht es in manchen deutschen Städten zu. Aber das hat Sie nicht wirklich zu interessieren.
Allerdings können Sie nun erkennen, warum ich mich am vergangenen Dienstag in ein Kostüm gekleidet habe. Bloß um den kulturellen Austausch zwischen Mitteleuropa und Australien ein wenig zu fördern. Jetzt könnten Sie berechtigter Weise argumentieren, dass die Auswahl meiner Verkleidung etwas zu gewagt gewesen sein könnte.
Ich stimme Ihnen zu. Aber wie schon gesagt, war ich mir der Bedeutung des Tages hier in Australien nicht bewusst. Deshalb ist auch besonders tragisch, dass ich als Verkleidung eine Reminiszenz an meine Geburtsstadt gewählt habe. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass diese mir sehr realistisch gelungen ist. Ich muss jedoch anerkennen, dass nicht jeder ein Hitler-Kostüm uneingeschränkt lustig findet. Noch dazu, wenn der Maskierte damit auf einem Soldatenfriedhof auftaucht in der fälschlichen Annahme, es handle sich bei der dort abgehaltenen Veranstaltung um einen Faschingsumzug.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, Humor ist eine Sache, die man nicht hat, wenn man sie definiert. Deshalb habe ich mich am Dienstag wohl zu standhaft gewehrt meine Verkleidung abzulegen und auf die Abhaltung einer Faschingsrede am Soldaten-Denkmal der australischen Streitkräfte zu verzichten. Ich war der Meinung, dass die Anwesenden die satirische Ausführung meiner -zugegeben in deutsch gehaltenen- Ansprache mitbekommen würden. Dass ihnen dies nicht möglich war, ist äußerst schade und verlangt von mir in Zukunft mehr auf mein Publikum einzugehen.
Auf diesem Wege möchte ich mich auch bei dem freundlichen Sicherheitspersonal bedanken, dass mich sehr zuvorkommend aus dem Veranstaltungsgelände geprügelt hat.
Bei Ihnen allen, geschätzte Damen und Herren, möchte ich mich noch einmal aus tiefsten Herzen entschuldigen und versprechen, von weiteren unglücklichen Kostümierungen Abstand zu halten. Ich bin mir jetzt bewusst, dass mein Verhalten als verletzend empfunden wurde und ich mich in Zukunft 150 Meter von jeglichen Soldatendenkmälern Australiens fernhalten muss.
Ein geringer Preis, den ich bereit bin zu bezahlen, damit Sie mir vergeben können.
In diesem Sinne, vielen Dank, wehret den Anfängen und nichts für ungut!
Hochachtungsvoll,
Florian Zillner.
P.s.: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Ich fand mich nämlich ziemlich gut.
Hut ab.
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vor 4 Jahren
1 Kommentar:
stark!!!
ch
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